Die angespannte Lage am Markt für Wärmepumpen verschärft sich weiter.
Handwerksbetriebe in mehreren Bundesländern berichten, dass sie bereits zugesagte Aufträge zurückgeben müssen, weil Hersteller die Lieferzeiten für gängige Luft-Wasser-Geräte zuletzt auf bis zu neun Monate angehoben haben.
Für viele Endkunden bedeutet das nicht nur eine Verzögerung des Heizungstauschs, sondern den Verlust einer bereits bewilligten KfW-Förderung — mit unmittelbaren Folgen für die Wirtschaftlichkeit des gesamten Projekts.
Förderfristen kollidieren mit Lieferrealität
Die Förderbedingungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau sehen vor, dass bewilligte Vorhaben innerhalb eines definierten Zeitraums umgesetzt und abgerechnet werden müssen.
Diese Frist war ursprünglich auf einen funktionierenden Markt zugeschnitten, in dem Geräte binnen weniger Wochen verfügbar waren.
Inzwischen klafft eine Lücke zwischen dem regulatorischen Zeitfenster und der tatsächlichen Verfügbarkeit der Anlagen.
Handwerksbetriebe stehen damit vor einem Dilemma: Sie können entweder einen Auftrag annehmen, dessen termingerechte Ausführung sie nicht garantieren können, oder ihn ablehnen und damit auf Umsatz verzichten.
Mehrere Innungen berichten, dass Betriebe inzwischen dazu übergehen, Förderaufträge gar nicht erst zu unterzeichnen, solange die Hersteller keine verbindlichen Liefertermine zusagen.
Endkunden, die ihre Zusage bereits in der Hand halten, stehen vor der Wahl, die Förderung verfallen zu lassen oder kostspielig auf alternative Heiztechnik auszuweichen.
Hersteller verweisen auf Komponenten und Nachfrage
Die Industrie begründet die langen Wartezeiten mit anhaltenden Engpässen bei elektronischen Bauteilen, Verdichtern und Kältemitteln sowie mit der Umstellung mehrerer Produktlinien auf neue, klimafreundlichere Kältemittel.
Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach dem Inkrafttreten des novellierten Gebäudeenergiegesetzes sprunghaft gestiegen war und Produktionskapazitäten nicht im gleichen Tempo aufgebaut werden konnten.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass mehrere Hersteller zwar in neue Werke investiert haben, die zusätzlichen Kapazitäten aber erst mittelfristig auf den Markt durchschlagen dürften.
Für die Handwerksbetriebe ist diese Aussicht wenig tröstlich.
Viele haben in den vergangenen zwei Jahren Personal aufgebaut, Monteure geschult und in spezielles Werkzeug investiert.
Bleiben Aufträge wegen ausbleibender Geräte liegen, droht eine Auslastungslücke, die sich kurzfristig nur schwer durch andere Gewerke schließen lässt.
Politik unter Zugzwang
In der Politik wird inzwischen diskutiert, die Fristen für die Umsetzung bewilligter Förderzusagen flexibler zu gestalten oder zumindest in begründeten Fällen zu verlängern.
Verbände des Handwerks fordern eine pragmatische Lösung, die die tatsächliche Marktlage berücksichtigt und verhindert, dass Verbraucher für Verzögerungen bestraft werden, auf die sie keinen Einfluss haben.
Aus dem zuständigen Bundesministerium heißt es bislang lediglich, man beobachte die Situation und stehe im Austausch mit den Beteiligten.
Marktteilnehmer warnen, dass ein anhaltender Vertrauensverlust den Hochlauf der Wärmewende empfindlich treffen könnte.
Wenn Eigentümer den Eindruck gewinnen, eine Förderzusage sei in der Praxis nicht einlösbar, dürfte die Bereitschaft sinken, überhaupt einen Antrag zu stellen.
Damit stünde nicht nur ein einzelnes Förderprogramm zur Disposition, sondern ein zentrales Instrument der Gebäudedekarbonisierung.



