Zum Start der Freibadsaison Ende Mai 2026 bleiben in mehreren deutschen Kommunen einzelne Schwimmbecken stundenweise gesperrt, weil ausgebildete Fachangestellte für Bäderbetriebe und ehrenamtliche Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) fehlen.
Betroffen sind vor allem kommunale Freibäder, deren Betreiber die durchgehende Wasseraufsicht an Spitzentagen nicht mehr garantieren können und deshalb Beckenbereiche zeitweise schließen oder die Öffnungszeiten verkürzen.
Warum fehlt das Aufsichtspersonal?
Der Engpass hat mehrere Ursachen, die sich zum Saisonbeginn überlagern.
Die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe dauert drei Jahre, doch die Zahl der Absolventen deckt den Bedarf der Kommunen seit Jahren nicht.
Viele erfahrene Kräfte stehen kurz vor dem Ruhestand, während Schichtdienst an Wochenenden und in den Sommerferien die Stellen für Nachwuchskräfte wenig attraktiv macht.
Hinzu kommt, dass Freibäder einen Teil der Aufsicht traditionell über Saisonkräfte und ehrenamtliche Rettungsschwimmer absichern.
Gerade bei den Ehrenamtlichen wirkt eine Lücke nach: Während der Pandemiejahre fielen zahlreiche Schwimm- und Rettungsschwimmkurse aus, sodass über mehrere Jahrgänge hinweg weniger Rettungsschwimmabzeichen erworben wurden.
Diese fehlende Qualifikationsbasis macht sich nach Einschätzung von Branchenbeobachtern jetzt bemerkbar, wenn die Bäder kurzfristig zusätzliches Aufsichtspersonal für volle Becken brauchen.
Was ist ein Fachangestellter für Bäderbetriebe?
Der Fachangestellte für Bäderbetriebe ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, der die frühere Berufsbezeichnung des Schwimmmeisters abgelöst hat.
Zu den Aufgaben gehören die Beaufsichtigung des Badebetriebs, die Erste Hilfe und Wasserrettung, die Überwachung der Wasserqualität sowie die Bedienung der technischen Anlagen eines Bades.
Für die Badeaufsicht schreiben die Betreiber je nach Beckengröße und Besucherandrang eine Mindestzahl an qualifizierten Aufsichtskräften vor; wird diese unterschritten, darf der betroffene Bereich aus Sicherheitsgründen nicht freigegeben werden.
Genau dieser Mechanismus führt nun zu den stundenweisen Sperrungen: Nicht das Wasser oder die Technik sind das Problem, sondern die Personaldecke, die eine lückenlose Aufsicht nicht zulässt.
Welche Folgen drohen den Kommunen?
Für die Kommunen als Betreiber entsteht ein Zielkonflikt zwischen Sicherheit, Betriebskosten und dem öffentlichen Auftrag, Schwimmbäder als Teil der Daseinsvorsorge bereitzustellen.
Kurzfristig behelfen sich viele Bäder mit reduzierten Öffnungszeiten, der Sperrung von Sprung- und Tiefbecken oder dem zeitweisen Verzicht auf einzelne Bahnen.
Mittelfristig verschärft der Personalmangel die ohnehin angespannte Lage vieler kommunaler Bäder, die mit Sanierungsstau und steigenden Energiekosten ringen.
Fachverbände und Marktteilnehmer verweisen darauf, dass der Bademeistermangel zugleich ein gesellschaftliches Problem berührt: Werden Schwimmzeiten knapper, sinken die Gelegenheiten, das Schwimmen sicher zu erlernen.
Damit verbindet sich der Streit um Öffnungszeiten mit der Debatte über die Schwimmfähigkeit von Kindern, die in den vergangenen Jahren wiederholt im Mittelpunkt sportpolitischer Diskussionen stand.



