Die Klubs der Fußball-Bundesliga stehen in diesem Sommer vor einer ungewöhnlichen Planungsaufgabe: Zwischen dem Ende der Weltmeisterschaft und dem Start der Saison 2026/27 bleibt deutlich weniger Zeit als in gewöhnlichen Jahren, um Trainingslager, Testspiele und die medizinische Diagnostik der Profis unterzubringen.
Während die Nationalspieler noch im Turniereinsatz sind oder gerade erst in den Urlaub gestartet sind, laufen in den Geschäftsstellen der 18 Erstligisten bereits die Vorbereitungen für den Trainingsauftakt.
Warum ist die Sommerpause so kurz?
Ein Turniersommer verschiebt den gesamten Kalender.
Spieler, die mit ihren Nationalteams weit kommen, haben Anspruch auf eine mehrwöchige Erholungsphase — sportwissenschaftliche Standards und die Vorgaben der Spielergewerkschaften sehen eine ausreichende Regeneration nach einer langen Saison vor.
Für die Klubs bedeutet das: Der Kader trainiert in den ersten Wochen der Vorbereitung in mehreren Gruppen.
Nachwuchsspieler und Profis ohne Turniereinsatz beginnen früher, die WM-Fahrer stoßen gestaffelt dazu.
Trainerteams müssen ihre Belastungssteuerung entsprechend individualisieren, statt eine einheitliche Vorbereitung für alle zu fahren.
Die Deutsche Fußball Liga (DFL), die den Spielplan der Bundesliga und der 2.
Bundesliga erstellt, steht dabei vor einem bekannten Zielkonflikt: Ein späterer Saisonstart würde den Spielern mehr Erholung verschaffen, verdichtet aber den Kalender im weiteren Saisonverlauf — zumal die von der UEFA organisierten Wettbewerbe Champions League, Europa League und Conference League mit ihrem erweiterten Ligaformat zusätzliche Spieltermine beanspruchen.
Trainingslager: kürzer, näher, funktionaler
In der Praxis reagieren viele Vereine mit kompakteren Trainingslagern.
Statt langer Aufenthalte in Übersee, wie sie in Wintern vergangener Jahre aus Vermarktungsgründen üblich waren, setzen die sportlichen Leitungen in Turniersommern häufig auf kurze Camps in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Kurze Anreisen, moderates Klima und eine gute Infrastruktur an Trainingsplätzen sprechen für die Alpenregion, die seit Jahrzehnten als bevorzugtes Ziel der Sommervorbereitung gilt.
Branchenbeobachter erwarten zudem, dass Klubs mit vielen WM-Teilnehmern auf ein zweites, späteres Kurzcamp ausweichen, um die Rückkehrer gezielt heranzuführen.
Auch die Testspielpläne fallen entsprechend schlanker aus.
Üblich sind zunächst Partien gegen Regional- und Drittligisten aus der Umgebung, in denen breite Teile des Kaders Spielzeit erhalten, bevor gegen Ende der Vorbereitung ein oder zwei Härtetests gegen internationale Gegner folgen.
Vermarktungsreisen mit Showcharakter, die in normalen Sommern Einnahmen bringen, sind in einem WM-Jahr schwerer unterzubringen — ein Spannungsfeld zwischen sportlichen und wirtschaftlichen Interessen, das die Klubführungen jedes Turnierjahr neu austarieren müssen.
Was bedeutet das für den Saisonstart?
Den Auftakt in den Pflichtspielbetrieb bildet traditionell die erste Hauptrunde des DFB-Pokals, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor dem Bundesliga-Start ansetzt.
Gerade für Klubs mit vielen Turnierrückkehrern birgt diese Konstellation Risiken: Wer im Pokal bei einem unterklassigen Gegner antritt, ohne dass die Leistungsträger vollständig im Rhythmus sind, riskiert ein frühes Aus.
Sportwissenschaftler weisen zudem seit Jahren darauf hin, dass verkürzte Vorbereitungen mit einem erhöhten Verletzungsrisiko in den ersten Saisonwochen einhergehen können.
Für die Trainer bedeutet der Turniersommer damit vor allem eines: Priorisierung.
Taktische Grundordnung und Standardsituationen lassen sich in wenigen Wochen einüben, die individuelle Topform vieler Nationalspieler wird dagegen erst im Laufe der Hinrunde erreicht.
Die Vereine, denen die Staffelung von Regeneration und Belastung am besten gelingt, dürften in den ersten Spieltagen der Saison 2026/27 einen spürbaren Vorteil haben.



