Die Deutsche Bahn AG hat angekündigt, die Fernverkehrspreise für ICE- und IC-Verbindungen bis Mai 2027 einzufrieren.
Konzernchef Richard Lutz erläuterte den Schritt am Freitag in Berlin als Reaktion auf die anhaltende Diskussion um die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber Auto und Flugzeug.
Betroffen sind sowohl die Flexpreise als auch die Höchstwerte der Sparpreis- und Super-Sparpreis-Kontingente.
Die dynamische Komponente, die Tickets zu Stoßzeiten teurer macht, bleibt jedoch erhalten.
Was genau wird eingefroren?
Der Preisstopp gilt für die regulären Flexpreise im Fernverkehr sowie für die maximal aufgerufenen Sparpreise.
In der Praxis bedeutet das: Wer eine Standardverbindung zwischen Hamburg und München bucht, zahlt im Mai 2027 nicht mehr als heute für dasselbe Ticket.
Die Preisspanne nach unten bleibt unverändert flexibel, das günstigste Sparpreis-Kontingent beginnt weiterhin bei 17,90 Euro.
Auch die BahnCard-Rabatte und die Konditionen für Inhaber des Deutschlandtickets im Fernverkehrsupgrade bleiben unberührt.
Nicht betroffen vom Stopp ist die seit einigen Jahren ausgebaute Tarifsteuerung über die Auslastung.
Auf stark nachgefragten Strecken zu Stoßzeiten – etwa freitagnachmittags zwischen Frankfurt am Main und Berlin oder sonntagabends auf der Rheinschiene – können einzelne Sparpreis-Kontingente weiterhin schnell ausgebucht sein, sodass Reisende in höhere Preisstufen rutschen.
Diese yield-basierte Komponente, im Bahn-Vokabular „Auslastungssteuerung" genannt, bezeichnete Lutz als unverzichtbar für die Auslastungsplanung.
Warum kommt der Schritt jetzt?
Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der die Bahn nach einem schwachen Pünktlichkeitsjahr unter Druck steht, verlorene Fahrgastanteile zurückzugewinnen.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass die Fernverkehrserlöse zuletzt vor allem durch Preiserhöhungen, nicht durch höhere Reisendenzahlen gestiegen seien.
Mit dem Stopp will der bundeseigene Konzern dieses Muster brechen und Planungssicherheit für Pendler, Geschäftsreisende und Urlauber schaffen.
Zugleich steht die Maßnahme im Kontext der Generalsanierung mehrerer Hochleistungskorridore, die bis 2027 weitere Einschränkungen mit sich bringen wird.
Der Bundesverkehrsminister begrüßte den Schritt als Beitrag zur Verkehrswende.
Aus dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr hieß es, der Preisstopp dürfe jedoch nicht zulasten von Investitionen in Pünktlichkeit und Sitzplatzangebot gehen.
Die Bahn hatte zuletzt rund 30 Milliarden Euro an zusätzlichen Bundesmitteln für die Schieneninfrastruktur eingeworben.
Wie reagieren die Fahrgastverbände?
Der Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Entscheidung einen „Schritt in die richtige Richtung", warnte aber davor, dass die dynamische Komponente den Effekt für viele Reisende abschwächen könne.
Wer kurzfristig zu Hauptreisezeiten buchen müsse, profitiere vom Stopp der Höchstpreise faktisch wenig, weil ohnehin in eine teurere Tarifstufe ausgewichen werden müsse.
Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte, die Kontingentsteuerung transparenter zu machen, damit Fahrgäste nachvollziehen können, warum eine Verbindung an einem bestimmten Tag teurer ist.
Für Geschäftsreisende dürfte der Preisstopp die Kalkulation von Jahresbudgets erleichtern.
Reiseveranstalter, die Bahnanreisen in Pauschalangebote bündeln, verweisen darauf, dass stabile Tarife auch die Verhandlungen mit Hotellerie und Veranstaltern im Inland erleichtern.
Ob der Schritt die Fahrgastzahlen messbar erhöht, dürfte sich erst im Lauf des Jahres 2026 zeigen.



