Die deutsche Industrieproduktion entwickelt sich nach den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zunehmend uneinheitlich: Während die Automobilindustrie, die Chemiebranche und die Hersteller elektrischer Ausrüstungen ihre Erzeugung ausweiteten, gaben der Maschinenbau, die Herstellung von Metallerzeugnissen und Teile der Pharmasparte im Berichtszeitraum nach.
Die wachsende Spreizung zwischen den Wirtschaftszweigen wirft für Branchenbeobachter die Frage auf, wie tragfähig der zuletzt erhoffte Aufschwung im Verarbeitenden Gewerbe tatsächlich ist.
Welche Sparten ziehen an, welche fallen zurück?
Der Produktionsindex für das Verarbeitende Gewerbe, den Destatis monatlich ausweist, bildet die Gesamtbewegung der Industrie ab – doch hinter dem aggregierten Wert verbergen sich gegenläufige Entwicklungen.
Die Zuwächse konzentrieren sich derzeit auf einige große, exportorientierte Sparten.
Die Automobilindustrie als gewichtigster Industriezweig profitiert nach Einschätzung von Marktteilnehmern von einer anziehenden Nachfrage und vom Abarbeiten älterer Auftragsbestände.
Auch die energieintensive Chemie meldete eine höhere Erzeugung, nachdem sie in den Vorjahren unter hohen Energiekosten besonders gelitten hatte.
Die Hersteller elektrischer Ausrüstungen verbuchten ebenfalls Zuwächse.
Dem stehen rückläufige Bereiche gegenüber.
Der Maschinenbau, traditionell ein Aushängeschild der deutschen Exportwirtschaft, leidet weiterhin unter einer schwachen Investitionsnachfrage aus dem In- und Ausland.
Die Herstellung von Metallerzeugnissen, eng mit der Bau- und Investitionskonjunktur verknüpft, entwickelte sich gedämpft.
Auch Teile der Pharmaindustrie, in den Vorquartalen noch eine Stütze, gaben nach – ein Hinweis darauf, dass deren frühere Stärke teils auf Sondereffekten beruhte.
Was sagt die Spreizung über den Aufschwung aus?
Für Konjunkturforscher ist die Breite einer Erholung ein zentraler Gradmesser für ihre Belastbarkeit.
Trägt das Wachstum nur wenige große Sparten, bleibt der Aufschwung anfällig: Schwächt sich etwa die Automobilnachfrage ab oder kippt ein Sondereffekt in der Chemie, fehlt rasch die Gegenkraft aus den übrigen Bereichen.
Eine über viele Wirtschaftszweige verteilte Zunahme gilt dagegen als robuster.
Die aktuelle Datenlage deutet eher auf eine schmale Basis hin.
Dass ausgerechnet der Maschinenbau zurückbleibt, werten Beobachter als Warnsignal, weil dieser Zweig die Investitionsbereitschaft der Unternehmen widerspiegelt.
Schwache Auftragseingänge in den Investitionsgütersparten lassen erwarten, dass sich die Spreizung nicht kurzfristig auflöst.
Frühindikatoren wie der ifo-Geschäftsklimaindex und die Auftragsdaten werden daher genau beobachtet, um abzuschätzen, ob sich die wachsenden Bereiche stabilisieren oder die schwächeren weiter ausstrahlen.
Welche Rolle spielen Energiekosten und Standortpolitik?
Viele der schwächelnden Zweige sind energie- oder investitionsintensiv – ein Befund, der die laufende Debatte um Industriestrompreise und Standortbedingungen berührt.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat wiederholt Entlastungen für die energieintensive Industrie ins Gespräch gebracht, deren Ausgestaltung an den EU-Beihilferahmen gebunden bleibt.
Solange Unsicherheit über Energiekosten und Rahmenbedingungen besteht, dürften Unternehmen Investitionen zurückhalten – was die schwache Nachfrage im Maschinenbau und bei Metallerzeugnissen zusätzlich erklärt.
Ob aus der derzeitigen Zweiteilung eine breitere Erholung wird, hängt damit nicht allein von der Auftragslage ab, sondern auch von verlässlichen industriepolitischen Signalen.



