Immer mehr Urlauberinnen und Urlauber wählen in der Reisesaison 2026 die Bahn für die Anreise zu europäischen Städtezielen, weil sie ihren CO2-Fußabdruck senken wollen und Pauschalanbieter ihr Angebot entsprechend erweitern.
Reiseveranstalter koppeln Städtereisen nach Wien, Zürich, Paris oder Amsterdam zunehmend an eine Bahnanreise statt an den Flug; parallel verzeichnen Nachtzugverbindungen wachsende Buchungszahlen.
Der Trend ist Teil einer breiteren Verschiebung hin zum klimaneutralen Reisen, die der Deutsche Reiseverband (DRV) seit mehreren Saisons beobachtet.

Warum gewinnt die Bahnanreise an Attraktivität?

Ausschlaggebend ist nach Einschätzung von Branchenbeobachtern eine Kombination aus Klimabewusstsein, gestiegenen Flugnebenkosten und einem dichteren Angebot.
Die Deutsche Bahn AG hat ihr internationales ICE- und EC-Netz in den vergangenen Jahren ausgebaut, etwa auf Strecken nach Paris, Brüssel und in die Schweiz.
Hinzu kommt die wachsende Zahl an Nachtzügen, die mehrere europäische Betreiber gemeinsam vermarkten: Wer abends einsteigt und morgens im Stadtzentrum ankommt, spart eine Hotelnacht und umgeht den Weg zu peripher gelegenen Flughäfen.

Für preissensible Reisende wirkt zudem das Klima-Argument zunehmend als Buchungskriterium.
Eine Bahnfahrt verursacht je nach Strecke einen Bruchteil der Emissionen eines Kurzstreckenflugs.
Tarifmodelle wie das Deutschlandticket im Inland oder das Klimaticket in Österreich haben das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zusätzlich in den Alltag vieler Haushalte gebracht und die Hemmschwelle zur längeren Zugreise gesenkt.

Wie reagieren die Anbieter?

Pauschalreiseveranstalter bündeln Bahnanreise, Übernachtung und teils Stadtführungen inzwischen zu Komplettpaketen, die rechtlich dem Pauschalreiserecht unterliegen und damit einen abgesicherten Reisepreis und Beistandspflichten bieten.
Einige Anbieter werben gezielt mit der CO2-Bilanz ihrer Zugpakete und positionieren die Bahn nicht mehr nur als Notlösung, sondern als eigenständiges Reiseerlebnis.
Die Nachfrage konzentriert sich dabei auf gut erreichbare Metropolen innerhalb von vier bis acht Stunden Fahrzeit.

Gleichwohl bleibt das Angebot begrenzt.
Nachtzüge verfügen über vergleichsweise wenige Schlaf- und Liegewagenplätze, sodass attraktive Termine schnell ausgebucht sind.
Marktteilnehmer verweisen darauf, dass der Ausbau des Rollmaterials Jahre in Anspruch nimmt und Investitionen über mehrere Betreiber hinweg koordiniert werden müssen.

Was bremst den Durchbruch?

Das größte Hemmnis bleiben Zuverlässigkeit und Kapazität.
Verspätungen, Anschlussverluste bei grenzüberschreitenden Verbindungen und ein im Vergleich zum Flug schmales Sitzplatzangebot schrecken einen Teil der Reisenden ab.
Für Anschlussreisen über mehrere Bahnunternehmen hinweg ist die Fahrgastabsicherung zudem weniger eindeutig geregelt als im Luftverkehr, wo die Fluggastrechteverordnung (EG) Nr. 261/2004 klare Ansprüche definiert.

Branchenbeobachter erwarten dennoch, dass der Anteil der Bahnanreise bei Städtereisen weiter steigt – vorausgesetzt, Pünktlichkeit und Platzangebot verbessern sich.
Für die kommende Herbst- und Wintersaison empfehlen Marktteilnehmer eine frühzeitige Buchung, da besonders Nachtzugplätze auf beliebten Strecken mehrere Wochen im Voraus vergeben sind.
Reisende sollten beim Kauf zudem auf durchgehende Tickets achten, um im Störungsfall besser abgesichert zu sein.