Handwerksbetriebe aus dem Elektrogewerbe berichten seit mehreren Wochen von deutlich verlängerten Lieferzeiten bei zentralen Installationsmaterialien: Kupferkabel, Verteilerschränke und Schaltschränke sind vielerorts erst mit erheblichem Vorlauf verfügbar, wodurch sich Bauprojekte im Wohnungsbau, bei Gewerbeimmobilien und in der Sanierung verschieben.
Betroffen sind sowohl kleine Handwerksbetriebe als auch größere Elektroinstallationsfirmen, die Aufträge im Auftrag von Bauträgern und Kommunen abarbeiten.
Warum sind Kupferkabel derzeit knapp?
Die Verknappung bei Kupferprodukten hat mehrere sich überlagernde Ursachen.
Zum einen ist die weltweite Nachfrage nach Kupfer durch den Ausbau von Stromnetzen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, während die Minenkapazitäten nur langsam mitwachsen.
Zum anderen hat sich die energieintensive Verarbeitung von Kupfer zu Kabeln und Leitungen in Europa verteuert, was einzelne Hersteller zu Produktionskürzungen veranlasst hat.
Branchenbeobachter verweisen zudem auf die im Rahmen der Energiewende zunehmende Konkurrenz um Kupfer zwischen Netzbetreibern, Industrie und dem klassischen Bauhandwerk, ähnlich wie sie bereits bei Lieferengpässen beim Einbau von Wärmepumpen zu beobachten waren.
Die Bundesnetzagentur, die den Ausbau der Verteilnetze koordiniert, treibt parallel umfangreiche Investitionsprogramme voran, die zusätzliches Material binden.
Bei Schaltschränken kommt eine andere Dynamik hinzu: Neben Kupferkomponenten stecken in modernen Schaltanlagen zunehmend elektronische Steuerungs- und Sicherungstechnik, deren Halbleiterbauteile ebenfalls seit geraumer Zeit nur eingeschränkt verfügbar sind.
Hersteller berichten von längeren Vorlaufzeiten bei Zulieferteilen aus Asien, die sich über die gesamte Lieferkette bis zum fertigen Schaltschrank fortsetzen.
Wie stark sind Bauprojekte betroffen?
Elektrohandwerksbetriebe schildern, dass Aufträge, die vor wenigen Monaten noch innerhalb weniger Tage mit Material versorgt werden konnten, inzwischen Wartezeiten von mehreren Wochen mit sich bringen.
Besonders betroffen sind größere Bauvorhaben, bei denen Verteilerschränke und Hausanschlusskästen exakt auf Maß bestellt werden müssen und sich daher nicht kurzfristig durch alternative Produkte ersetzen lassen.
Handwerkskammern berichten, dass einzelne Betriebe ihre Bauzeitenpläne anpassen und Fertigstellungstermine gegenüber Auftraggebern nach hinten verschieben mussten, eine Entwicklung, die sich mit unsicherer Förderkulisse für Sanierungen überschneidet.
In der Sanierung älterer Bestandsgebäude, wo Elektroinstallationen oft im Zuge größerer Modernisierungen komplett erneuert werden, führt die Materialknappheit ebenfalls zu spürbaren Verzögerungen bei der Übergabe.
Für die Betriebe bedeutet die Lage zugleich einen erhöhten Planungsaufwand: Material muss deutlich früher bestellt und zwischengelagert werden, was zusätzliche Kapitalbindung und Lagerkosten verursacht.
Kleinere Betriebe mit begrenzter Lagerfläche und geringerer Verhandlungsmacht gegenüber Großhändlern sind davon nach Einschätzung von Branchenvertretern besonders betroffen, während größere Elektrofachbetriebe teils über Rahmenverträge mit Herstellern versuchen, sich Kontingente zu sichern, ähnlich wie es beim Fachkräftemangel bei Wärmepumpen-Installateuren beobachtet wird.
Welche Reaktionen gibt es aus der Branche?
Handwerksverbände fordern eine bessere Abstimmung zwischen den verschiedenen Abnehmern von Kupfer und Elektrokomponenten, um Verteilungskonflikte zwischen Netzausbau, Industrie und Handwerk zu entschärfen.
Einzelne Großhändler haben nach Angaben von Marktteilnehmern begonnen, Bestellmengen zu kontingentieren, um eine gleichmäßigere Versorgung ihrer Kundschaft sicherzustellen.
Ob sich die Lage kurzfristig entspannt, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell zusätzliche Kupferraffinerie- und Fertigungskapazitäten in Europa hochgefahren werden können und wie sich die globale Nachfrage nach Elektromaterial in den kommenden Monaten entwickelt.
Bis dahin müssen sich Bauherren und Handwerksbetriebe auf längere Vorlaufzeiten bei der Materialbeschaffung einstellen.



