Der Reiseverlag Marco Polo hat für 2026 seinen jährlichen Trendguide zu deutschen Reisezielen veröffentlicht und sieht den Inlandstourismus weiter als wichtigste Säule des Urlaubsverhaltens hierzulande.
Im Mittelpunkt der Auswertung stehen Ostsee-Küste und Nordsee-Inseln, die das Kurztrip-Ranking dominieren, während Regionen wie das Zittauer Gebirge im Dreiländereck und die Schlei in Schleswig-Holstein als neue Geheimtipps in den Vordergrund rücken.
Die Marktbeobachtung deckt sich mit Einschätzungen des Deutschen Tourismusverbands (DTV), der bereits in den Vorjahren eine wachsende Bedeutung des Heimatmarkts beobachtet hatte.

Warum bleibt Deutschland Reiseziel Nummer eins?

Mehrere Faktoren stützen laut Branchenbeobachtern die anhaltende Nachfrage nach Inlandsreisen.
Die Preisentwicklung bei Flugreisen, gestiegene Lebenshaltungskosten und der Wunsch nach planungssicheren Kurzurlauben verschieben die Prioritäten vieler Reisender.
Hinzu kommen Nachhaltigkeitsüberlegungen, die laut Erhebungen der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) bei jüngeren Zielgruppen an Gewicht gewinnen.
Auch die verbesserte Bahnanbindung mancher Küstenregionen spielt eine Rolle, auch wenn Verspätungen und Streckensperrungen weiter ein Reizthema bleiben.

Die klassischen Schwergewichte führen das Ranking erneut an.
Rügen, Usedom und Fischland-Darß-Zingst dominieren an der Ostsee, an der Nordsee bleiben Sylt, Föhr und Amrum die meistgebuchten Inseln.
Marco Polo verzeichnet zudem ein wachsendes Interesse an Halbinseln und kleineren Küstenorten, die als Alternative zu überlaufenen Hotspots gelten.
Die Auslastung in der Hauptsaison liegt nach Verbandsangaben in vielen Küstenorten bei über 80 Prozent, was die Diskussion um Übertourismus auch in deutschen Regionen befeuert.

Welche Geheimtipps stehen 2026 im Fokus?

Neu im Fokus der Reiseführer steht das Zittauer Gebirge im sächsischen Dreiländereck zu Polen und Tschechien.
Die Region punktet mit Sandsteinformationen, dichten Wanderwegenetzen und vergleichsweise moderaten Übernachtungspreisen.
Auch die Schlei, ein Meeresarm der Ostsee in Schleswig-Holstein, wird als Trendziel hervorgehoben — bekannt aus der ZDF-Reihe „Der Landarzt“ und zuletzt verstärkt im Fokus durch Bemühungen um Wasserqualität und Heringsschutz.
Beide Regionen stehen exemplarisch für eine Verschiebung in Richtung sogenannter „Slow-Travel“-Ziele, die abseits klassischer Massendestinationen liegen.

Weitere Aufsteiger im Trendguide sind das Saarland mit seinen industriekulturellen Routen, die Eifel mit dem Nationalpark sowie das Vogtland im Grenzgebiet zwischen Sachsen, Thüringen und Bayern.
Reiseanbieter berichten von einer wachsenden Nachfrage nach längeren Aufenthalten in Ferienwohnungen abseits der Metropolen.
Städtetrips bleiben zwar gefragt, verlieren aber laut Verlagsangaben relativ an Bedeutung gegenüber Naturzielen.

Was bedeutet das für die Reisebranche?

Für Anbieter und Kommunen bedeutet die Entwicklung Chancen und Herausforderungen zugleich.
Während etablierte Küstenregionen mit Kapazitätsgrenzen kämpfen, müssen aufstrebende Ziele in Infrastruktur, ÖPNV-Anbindung und Personal investieren, um den Erwartungen gerecht zu werden.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) verweist darauf, dass der Fachkräftemangel in Gastronomie und Hotellerie weiterhin ein zentrales Hemmnis darstellt.
Die für 2026 erwarteten tariflichen Lohnerhöhungen im Hotel- und Gaststättengewerbe dürften zudem die Preise weiter unter Druck setzen.
Marktteilnehmer rechnen mit einer Fortsetzung des Trends zu kürzeren, dafür häufigeren Reisen — eine Entwicklung, die sich seit der Corona-Pandemie strukturell verfestigt hat.

Quellen