Die Reiselust der Bundesbürger erreicht im Frühjahr 2026 einen Höchststand: Laut einer aktuellen Branchenumfrage planen 64 Prozent der Deutschen in den kommenden zwölf Monaten mindestens eine Urlaubsreise von fünf Tagen oder länger.
Das ist nach Angaben der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), die seit Jahrzehnten die jährliche Reiseanalyse herausgibt, der höchste Wert seit fast zwei Jahrzehnten.
Tourismusverbände werten die Zahlen als Beleg dafür, dass die wirtschaftliche Unsicherheit das Reisebudget der Haushalte bislang kaum berührt.

Warum die Ausgabenbereitschaft trotz Konjunkturflaute steigt

Ökonomen hatten nach der schwachen Binnenkonjunktur des Vorjahres mit einer Zurückhaltung bei langlebigen Konsumgütern und größeren Urlaubsbuchungen gerechnet.
Tatsächlich zeigen die Daten ein anderes Bild: Während Anschaffungen wie Möbel oder Elektronik im Einzelhandel weiter stagnieren, fließt ein wachsender Anteil des verfügbaren Einkommens in Reisen.
Branchenbeobachter erklären den Effekt mit einem Nachholbedarf nach den Pandemiejahren, der sich auch fünf Jahre später noch nicht erschöpft habe, sowie mit einer veränderten Prioritätensetzung jüngerer Haushalte, die Erlebnisse höher gewichten als Sachvermögen.

Hinzu kommt ein Lohneffekt: Die in den vergangenen beiden Tarifrunden durchgesetzten Reallohnzuwächse — insbesondere im öffentlichen Dienst und in der Metall- und Elektroindustrie — haben die Kaufkraft mittlerer Einkommen gestärkt.
Der Deutsche Reiseverband (DRV) verweist zudem darauf, dass Pauschalreisen, die lange als Auslaufmodell galten, im laufenden Buchungsjahr wieder spürbar zulegen.
Veranstalter berichten von einer früheren Buchungslage als in den Vorjahren, was auf Planungssicherheit und stabile Preiserwartungen hindeutet.

Welche Ziele profitieren am stärksten

Die Verschiebungen innerhalb des Reisemarktes sind ausgeprägter als die reinen Volumenzahlen vermuten lassen.
Mittelmeerziele wie Spanien, Italien und Griechenland bleiben dominant, doch verzeichnen Anbieter überdurchschnittliche Zuwächse bei Reisen nach Skandinavien, in die Baltischen Staaten und in den westlichen Mittelmeerraum jenseits der klassischen Hotspots.
Als treibend gelten zwei Faktoren: zum einen die Hitzewellen der vergangenen Sommer, die Reisende zunehmend in kühlere Regionen lenken, zum anderen die nach wie vor hohen Preise in einzelnen südeuropäischen Ländern.

Auch der Inlandstourismus stabilisiert sich auf hohem Niveau.
Verbände wie der Deutsche Tourismusverband (DTV) sehen vor allem Mittelgebirge und Küstenregionen profitieren, während Großstädte mit gemischten Belegungszahlen kämpfen.
Geschäftsreisen tragen nach wie vor weniger zur Auslastung bei als vor der Pandemie; das Plus stammt nahezu vollständig aus dem privaten Segment.

Welche Risiken die Branche dennoch sieht

Trotz der Rekordwerte warnen Marktteilnehmer vor verfrühter Euphorie.
Engpässe beim Personal in Hotellerie und Gastronomie, steigende Energie- und Lohnkosten sowie eine zunehmend volatile geopolitische Lage könnten die Margen der Anbieter unter Druck setzen, selbst wenn die Nachfrage stabil bleibt.
Auch die Flugkapazitäten an deutschen Drehkreuzen liegen weiterhin unter dem Vor-Pandemie-Niveau, was zu Preisaufschlägen bei Fernreisen führt.

Für die kommenden Monate erwarten die Verbände einen weiterhin hohen Buchungsstand, mahnen aber an, die strukturellen Probleme — insbesondere den Fachkräftemangel und die Infrastruktur an Flughäfen — nicht aus dem Blick zu verlieren.
Ob sich der aktuelle Rekord verstetigen lässt, hängt aus Sicht der Branche maßgeblich davon ab, ob Reallöhne und Verbrauchervertrauen die zweite Jahreshälfte stützen.

Quellen