Mehrere kommunale Freibäder in Deutschland müssen mitten in der laufenden Badesaison wegen fehlender Rettungsschwimmer tageweise schließen oder ihre Öffnungszeiten verkürzen, weil die gesetzlich vorgeschriebene Wasseraufsicht nicht durchgängig besetzt werden kann.
Betroffen sind nach Angaben aus Kommunen und Bäderbetrieben vor allem kleinere und mittlere Städte, in denen ein einzelner Krankheitsfall im Personal bereits ausreicht, um einen Beckenbetrieb zu untersagen.
Die Einschränkungen treffen Familien, Schwimmkurse und Vereine in den heißen Wochen besonders deutlich.

Der Hintergrund ist eine Kombination aus saisonaler Personalnot und langfristigem Strukturproblem, wie er sich auch in der Debatte um Personalmangel und Sanierungsstau in Deutschlands Freibädern zeigt.
Freibäder sind auf ausgebildete Fachangestellte für Bäderbetriebe sowie auf qualifizierte Rettungsschwimmer angewiesen, die das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen mindestens in Silber nachweisen müssen.
Viele Bäder decken den Bedarf zusätzlich über Saisonkräfte und ehrenamtliche Wachgänger ab.
Fallen diese aus, lässt sich der Betrieb aus haftungs- und sicherheitsrechtlichen Gründen nicht aufrechterhalten.

Warum dürfen Bäder ohne Aufsicht nicht öffnen?

Für den Badebetrieb gelten verbindliche Vorgaben zur Beckenaufsicht, die sich unter anderem aus den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen und den Unfallverhütungsvorschriften der Unfallversicherungsträger ergeben.
Maßgeblich ist, dass die Wasserfläche jederzeit durch geschultes Personal überwacht wird, das im Notfall sofort eingreifen kann.
Unterschreitet ein Bad die erforderliche Zahl an Aufsichtskräften, ist der Träger verpflichtet, das Becken zu sperren – unabhängig davon, wie viele Gäste bereits gekommen sind.

Kommunale Betreiber verweisen darauf, dass sie damit nicht aus Bequemlichkeit handeln, sondern einer rechtlichen Pflicht folgen.
Ein Badeunfall ohne ausreichende Aufsicht hätte sowohl haftungsrechtliche als auch strafrechtliche Folgen für die Verantwortlichen.
Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnt seit Jahren vor einem wachsenden Mangel an ausgebildeten Rettungsschwimmern und einer alternden Personalstruktur in den Bädern.

Was bedeutet das für die Badesaison?

Für die kommenden Wochen rechnen Bäderbetriebe mit weiteren kurzfristigen Einschränkungen, sollte eine neue Hitzewelle, vor der der DWD bereits warnt, die Nachfrage zusätzlich erhöhen.
Einige Kommunen reagieren mit kürzeren Öffnungszeiten und höheren Eintrittspreisen, der Bündelung von Personal auf weniger Standorte oder dem zeitweisen Verzicht auf bestimmte Beckenbereiche wie Sprungtürme, die eine gesonderte Aufsicht erfordern.
Andere setzen auf Anwerbeprämien und beschleunigte Ausbildungskurse, um kurzfristig Wachpersonal zu gewinnen.

Längerfristig sehen Branchenbeobachter das Problem in einer doppelten Lücke: Es fehlen sowohl ausgebildete Fachkräfte für den Dauerbetrieb als auch Saison- und Aushilfskräfte für die Spitzenmonate.
Hinzu kommt der demografische Wandel, der den Bewerberpool verkleinert.
Sozialverbände und Kommunalvertreter weisen darauf hin, dass eingeschränkte Bäderöffnungen nicht nur ein Freizeitthema sind: Wo Schwimmkurse ausfallen, sinkt die Schwimmfähigkeit von Kindern – ein Sicherheitsrisiko, das über die aktuelle Saison hinausreicht.
Eltern und Vereine fordern daher verlässlichere Planungen, damit Schließungen die Ausnahme bleiben.