Die Feuerwehren in Bayern und Baden-Württemberg sind seit dem Pfingstwochenende im Dauereinsatz, weil heftige Gewitter mit Starkregen zahlreiche Keller, Tiefgaragen und Unterführungen geflutet haben, während der Deutsche Wetterdienst (DWD) zeitgleich für weite Teile Brandenburgs die zweithöchste Waldbrandgefahrenstufe 4 ausgerufen hat.
Verantwortlich für die geteilte Wetterlage ist nach Angaben des DWD eine quasi stationäre Luftmassengrenze, die feuchtwarme Mittelmeerluft im Süden von trockener Festlandsluft im Nordosten trennt.

Wie kommt es zu der geteilten Wetterlage?

Über Süddeutschland staut sich seit Pfingstsonntag feuchte Mittelmeerluft an den Alpen, was zu wiederholten, teils gewittrigen Niederschlägen führt.
In einzelnen Landkreisen Oberbayerns und des Allgäus fielen nach DWD-Angaben innerhalb weniger Stunden Regenmengen, die sonst über mehrere Tage erwartet werden.
Im Nordosten der Republik hingegen herrscht eine vom Hoch über Skandinavien geprägte Trockenphase: In Brandenburg und Teilen Sachsen-Anhalts hat es laut Landesforstbetrieben seit Wochen kaum nennenswerten Niederschlag gegeben, die obersten Bodenschichten gelten als ausgetrocknet.

Der Bayerische Landesfeuerwehrverband sprach von einem der einsatzintensivsten Pfingstwochenenden der vergangenen Jahre.
Schwerpunkte waren das Voralpenland, Niederbayern und der Großraum Stuttgart, wo Bäche binnen Minuten über die Ufer traten.
Mehrere Bundes- und Landstraßen mussten zeitweise gesperrt werden, der Bahnverkehr zwischen München und Salzburg war abschnittsweise unterbrochen.

Was bedeutet Waldbrandstufe 4 für Brandenburg?

Die vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde ausgegebene Waldbrandgefahrenstufe 4 ist die zweithöchste auf der fünfstufigen Skala und signalisiert hohe Gefahr.
In mehreren Landkreisen, darunter Oberspreewald-Lausitz und Dahme-Spreewald, gilt damit faktisch ein Betretungsverbot für die Wälder abseits befestigter Wege.
Brandenburg ist wegen seiner ausgedehnten Kiefernmonokulturen und munitionsbelasteter Altflächen aus dem Zweiten Weltkrieg besonders anfällig für sich schnell ausbreitende Bodenfeuer.

Nach Angaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz des Landes Brandenburg sind Löschhubschrauber und mobile Tanklöschfahrzeuge in erhöhter Bereitschaft.
Die Behörden appellieren an Ausflügler, das Rauchverbot strikt einzuhalten und keine Fahrzeuge auf trockenem Gras abzustellen, da heiße Katalysatoren Brände auslösen können.

Welche Konsequenzen ziehen Bund und Länder?

Klimaforschende verweisen seit Jahren darauf, dass gegensätzliche Extreme — Starkregen im einen, Dürre im anderen Landesteil — eine typische Folge der Klimaerwärmung in Mitteleuropa sind.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat in den vergangenen Jahren wiederholt empfohlen, Warninfrastruktur, kommunale Hochwasserschutzkonzepte und die Ausstattung freiwilliger Feuerwehren auszubauen.

In der laufenden Legislaturperiode steht eine Novelle des Katastrophenschutzgesetzes auf der Agenda, die unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und dem Technischen Hilfswerk (THW) bei länderübergreifenden Lagen verbessern soll.
Kommunale Spitzenverbände drängen zudem auf eine bessere Finanzierung von Regenrückhaltebecken und Entsiegelungsprogrammen.
Solche Maßnahmen, so der Tenor aus den betroffenen Ländern, würden zwar keine einzelnen Unwetterereignisse verhindern, ihre Folgen aber abmildern.

Quellen