Nach drei Tagen anhaltendem Dauerregen hat die Hochwasserlage im saarländischen Bliesgau am Wochenende erneut zahlreiche Anwohner gezwungen, Keller und Erdgeschosse leerzuräumen.
Während die Pegel an Blies und Saar in mehreren Gemeinden am Sonntagmorgen über die Meldestufe 2 stiegen, kündigte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) eine erneute Bundesratsinitiative für eine verpflichtende Elementarschadenversicherung an.
Parallel klagen die örtlichen Freiwilligen Feuerwehren über akuten Personalmangel im Dauereinsatz, wie auch die parallelen Pfingstunwetter in Bayern und Baden-Württemberg zeigen.
Wie ist die Lage im Bliesgau?
Betroffen sind nach Angaben des saarländischen Innenministeriums vor allem die Kommunen Blieskastel, Gersheim und Mandelbachtal.
In tiefer gelegenen Ortsteilen mussten Bewohner zum wiederholten Mal innerhalb von zwei Jahren Möbel, Heizungsanlagen und Hausrat aus den Untergeschossen schaffen.
Mehrere Kreisstraßen wurden für den Verkehr gesperrt, der Landesbetrieb für Straßenbau prüft Schäden an Brückenwiderlagern.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für das Saarland zunächst die zweithöchste Unwetterwarnstufe ausgegeben, am Sonntagnachmittag wurde sie schrittweise herabgestuft.
Niederschlagsmengen von über 80 Litern pro Quadratmeter binnen 48 Stunden trafen auf bereits gesättigte Böden, was den Abfluss in die Vorfluter zusätzlich verlangsamte.
Für viele Anwohner ist es das zweite schwere Hochwasser seit dem Pfingstereignis 2024, das im Bliesgau und im Saarpfalz-Kreis Schäden im dreistelligen Millionenbereich verursacht hatte.
Damals hatten Versicherer und Sachverständige bereits darauf hingewiesen, dass ein erheblicher Teil der betroffenen Eigentümer keine Elementarschadenversicherung abgeschlossen hatte — eine Police, die Schäden durch Überschwemmung, Rückstau und Starkregen abdeckt und nicht in der üblichen Wohngebäudeversicherung enthalten ist.
Pflichtversicherung: Was plant die Landesregierung?
Die saarländische Landesregierung positioniert sich seit Monaten an der Spitze jener Länder, die eine bundesweit verpflichtende Elementarschadenversicherung fordern.
Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) verwies darauf, dass freiwillige Lösungen und Informationskampagnen die Versicherungsdichte in Risikogebieten nur unzureichend erhöht hätten.
Auf der Justizministerkonferenz im Frühjahr hatten mehrere Länder einen erneuten Vorstoß angekündigt, eine bundeseinheitliche Regelung könne nach Einschätzung der Befürworter durch eine Anpassung des Versicherungsvertragsgesetzes erfolgen.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hatte einer Pflicht in der Vergangenheit eher zurückhaltend gegenübergestanden und auf Modelle mit Opt-out und staatlicher Rückversicherung in Hochrisikozonen verwiesen.
Verbraucherverbände wiederum mahnen sozial gestaffelte Prämien an, um Eigentümer in Überschwemmungsgebieten nicht aus dem Markt zu drängen.
Eine politische Einigung auf Bundesebene steht weiter aus, das Bundesjustizministerium hatte zuletzt eine Prüfphase angekündigt.
Personalnot bei den Freiwilligen Feuerwehren
Neben dem Versicherungsstreit rückt der Einsatz selbst die strukturellen Probleme der Freiwilligen Feuerwehren in den Fokus.
Die Wehrleitungen mehrerer Gemeinden im Saarpfalz-Kreis berichten von Dauerschichten der gleichen Kameraden, weil tagsüber nicht genügend Einsatzkräfte verfügbar seien — viele Mitglieder arbeiten außerhalb des Wohnorts, Arbeitgeber stellten sie nicht immer kurzfristig frei.
Der Landesfeuerwehrverband Saarland fordert seit längerem zusätzliche Anreize, etwa bei der Anrechnung von Einsatzzeiten und bei der Ausbildungsförderung.
Der Saarpfalz-Kreis hat unterdessen Stabsstellen für den Hochwasserschutz und das kommunale Risikomanagement angekündigt, die in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entstehen sollen.
Für die Anwohner im Bliesgau bleibt zunächst die Aufgabe, ihre Keller zum zweiten Mal binnen zwei Jahren auszupumpen — und auf eine politische Antwort zu warten, die über den Einzelfall hinausgeht, während andernorts der Pfingstansturm an Nord- und Ostsee das Feiertagsbild prägt.



