Die Reisebranche meldet zur Hochsaison einen Trend, der sich in den vergangenen Wochen verfestigt hat.
Während Pauschalbuchungen für die Balearen und die spanische Festlandsküste hinter den Vorjahreswerten zurückbleiben, verzeichnen die Türkei und Albanien deutliche Zuwächse.
Marktteilnehmer sprechen von einer der spürbarsten Verschiebungen seit der Pandemie.
Treiber sind weniger geopolitische Faktoren als der Preis.
Veranstalter führen die Bewegung auf zwei Entwicklungen zurück.
Erstens haben sich Hotelpreise in Spanien, Italien und Portugal nach mehreren Inflationsjahren auf einem hohen Niveau eingependelt.
Zweitens sind die Wechselkurse der türkischen Lira und des albanischen Lek für deutsche Reisende vorteilhaft.
Hinzu kommt, dass Hotelketten in der Türkei und in Albanien in den vergangenen Jahren ihre Kapazitäten ausgebaut haben.
Mallorca verliert leicht, gewinnt aber Stammgäste
Die Tourismusbehörde der Balearen hat für April einen Rückgang der Buchungseingänge um etwa sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gemeldet.
Hauptursache seien Preise, nicht ein Imageproblem.
Mallorca bleibe für Familien mit höherem Budget und für Stammgäste attraktiv, junge Reisende und preissensible Haushalte wichen jedoch auf andere Ziele aus.
In Hotels der mittleren Kategorie sei der Druck am größten.
Branchenbeobachter erwarten, dass die Insel über kurzfristige Preisaktionen reagieren wird.
Erste Frühbucherrabatte sind bereits angepasst worden.
Allerdings ist der Spielraum begrenzt, weil Lohn- und Energiekosten auf den Inseln im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sind.
Eine flächendeckende Preissenkung gilt deshalb als unwahrscheinlich.
Das Geschäft konzentriert sich stärker auf die obere Mittelklasse.
Albanien profitiert vom Infrastrukturausbau
Albanien gehört zu den am schnellsten wachsenden Reisemärkten Europas.
Die Riviera von Saranda bis Vlora hat in den vergangenen drei Jahren sichtbar in Hotels, Strandanlagen und Verkehrswege investiert.
Pauschalanbieter verweisen auf eine Verdopplung der Kapazitäten gegenüber 2023.
Das Land sei für deutsche Reisende inzwischen über mehrere Direktflugverbindungen aus Berlin, Düsseldorf und München erreichbar.
Verbandsvertreter warnen jedoch vor überzogenen Erwartungen.
Wer eine durchgängig deutsche Sprachversorgung oder den Standard großer Markenhotels suche, finde diesen vielerorts noch nicht.
Albanien spreche vor allem ein Publikum an, das einen weniger durchgetakteten Urlaub schätze.
Die Branche sei dabei, professionellere Strukturen aufzubauen, doch der Prozess brauche Zeit.
Türkei zurück in der ersten Reihe
Die Türkei hat in den vergangenen Saisons regelmäßig Wachstumsraten gemeldet.
Antalya, Side und Bodrum sind dabei die Schwergewichte.
Veranstalter berichten von einer fast vollständigen Auslastung der Frühsommermonate.
All-Inclusive-Pakete in der Vier- und Fünf-Sterne-Kategorie liegen preislich häufig um zwanzig bis dreißig Prozent unter vergleichbaren Angeboten in Spanien.
Sicherheitspolitisch sehen Veranstalter derzeit keinen Anlass für Zurückhaltung.
Das Auswärtige Amt unterscheidet weiterhin zwischen den südwestlichen Tourismusgebieten und Grenzregionen im Südosten.
Diese Differenzierung sei für deutsche Buchende nachvollziehbar geworden.
Für die Saison 2026 erwartet die Branche bei stabiler Weltlage einen weiteren Zuwachs deutscher Reisender in zweistelliger Höhe.



