In mehreren süddeutschen Städten haben Veranstalter traditioneller Volks- und Stadtfeste in dieser Saison erstmals kostenpflichtige Eintrittsbändchen eingeführt.
Wer das Festgelände betreten will, muss am Einlass einen geringen Betrag entrichten und erhält im Gegenzug ein Stoff- oder Papierbändchen, das während des gesamten Festes als Zugangsnachweis dient.
Was die Organisatoren als pragmatische Antwort auf gestiegene Kosten verstanden wissen wollen, hat in den betroffenen Kommunen eine Debatte über das Selbstverständnis öffentlicher Feste ausgelöst.
Steigende Kosten als Auslöser
Als Begründung verweisen die Veranstalter durchweg auf gestiegene Aufwendungen, die sich in den vergangenen Jahren spürbar summiert hätten.
Genannt werden vor allem die Sicherheitsanforderungen, die seit den Anschlägen und Massenpanik-Ereignissen der vergangenen Dekade kontinuierlich verschärft wurden: Zufahrtssperren, zusätzliches Ordnungspersonal, Taschenkontrollen und Notfallkonzepte schlagen mittlerweile mit Summen zu Buche, die nach Angaben von Branchenbeobachtern einen erheblichen Teil des Festbudgets ausmachen.
Hinzu kommen höhere Aufwendungen für Sanitäranlagen, Müllentsorgung und die Versicherung der Veranstaltung.
Gleichzeitig sind klassische Finanzierungsquellen unter Druck geraten.
Kommunale Zuschüsse stagnieren oder sinken, weil die Haushalte vieler Städte angespannt sind.
Sponsoring durch lokale Unternehmen lässt sich nicht beliebig ausweiten, ohne den Charakter eines Volksfestes zu verändern.
Vor diesem Hintergrund präsentieren die Organisatoren das Bändchen als vergleichsweise sanften Beitrag der Besucher zur Deckung der Fixkosten – meist im niedrigen einstelligen Eurobereich und mit Ermäßigungen für Kinder, Jugendliche oder Anwohner.
Symbolische Bedeutung des freien Zugangs
Kritik kommt von Vereinen, Heimatpflegern und Teilen der Kommunalpolitik.
Sie verweisen darauf, dass der freie Zugang zu Volksfesten historisch konstitutiv sei.
Anders als kommerzielle Veranstaltungen verstanden sich Stadt- und Heimatfeste seit jeher als Räume, in denen sich die Stadtgesellschaft unabhängig vom Geldbeutel begegnen könne.
Ein Eintrittsgeld, so der Einwand, verschiebe diese Logik in Richtung eines Eventformats, dessen Schwelle für einkommensschwache Familien spürbar steige – selbst wenn die Beträge auf den ersten Blick gering wirkten.
Marktteilnehmer aus der Festwirtschaft sehen die Entwicklung mit gemischten Gefühlen.
Einerseits stabilisieren Bändchen-Einnahmen das wirtschaftliche Fundament und damit auch die Existenz der Feste, an denen Schausteller und Gastronomen hängen.
Andererseits berichten Beschicker auf bereits umgestellten Festen von rückläufigen Besucherzahlen, insbesondere am späten Abend und unter jüngeren Gästen, die spontan vorbeischauen wollten.
Welcher Effekt überwiegt, lässt sich nach einer Saison noch nicht belastbar beurteilen.
Suche nach tragfähigen Modellen
In mehreren Städten haben die Diskussionen dazu geführt, dass die Bändchenpflicht zeitlich oder räumlich beschränkt wurde.
Üblich sind etwa eintrittsfreie Tage zu Beginn der Festwoche, Sonderregelungen für Familiennachmittage oder die Beschränkung des Eintritts auf die Abendstunden, in denen ohnehin der höchste Sicherheitsaufwand anfällt.
Andere Kommunen prüfen, ob sich ein Teil der Kosten über eine Erhöhung der kommunalen Zuschüsse oder über Standgebühren der Beschicker auffangen lässt, ohne die Endpreise an Buden und Fahrgeschäften spürbar zu erhöhen.
Fest steht: Die Volksfeste stehen vor der Aufgabe, ihre Finanzierungsbasis an ein verändertes Umfeld anzupassen, ohne ihr identitätsstiftendes Versprechen aufzugeben.
Wie tragfähig das Modell des kostenpflichtigen Bändchens ist, wird sich erst in den kommenden Saisons zeigen, wenn Vergleichswerte zu Besucherzahlen, Umsätzen und Akzeptanz vorliegen.



