Der Ausbau von Wärmepumpen in deutschen Bestandsgebäuden stockt im Sommer 2026 weniger an der Förderkulisse als am Personal: Handwerksbetrieben fehlen vor allem Kälte- und Klimatechniker, die für die Installation und Wartung der Geräte zwingend gebraucht werden.
Während die politische Debatte sich seit Jahren um Zuschusshöhen und das Gebäudeenergiegesetz (GEG) dreht, berichten Innungen und Betriebe bundesweit von Wartezeiten von mehreren Monaten zwischen Auftrag und Einbau — nicht, weil Geld oder Geräte fehlten, sondern weil niemand da ist, der die Anlagen fachgerecht in Betrieb nehmen darf.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hält am Ziel fest, den Wärmepumpenhochlauf auf jährlich 500.000 neu installierte Geräte zu bringen.
Die staatliche Förderung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) deckt beim Heizungstausch je nach Einkommen und Umsetzungstempo bis zu 70 Prozent der Investitionskosten ab.
An der Nachfrage mangelt es Branchenbeobachtern zufolge daher nicht — wohl aber an den Händen, die sie bedienen.
Warum ausgerechnet Kältetechniker?
Eine Wärmepumpe ist technisch näher an einer Klimaanlage als an einem Gaskessel.
Ihr Herzstück ist ein Kältekreislauf, und Arbeiten daran unterliegen strengen Vorgaben: Wer an Anlagen mit fluorierten Kältemitteln arbeitet, benötigt eine Sachkundebescheinigung nach der europäischen F-Gase-Verordnung.
Klassische Heizungsbauer aus dem Bereich Sanitär, Heizung, Klima (SHK) dürfen zwar Rohre verlegen und Heizkörper tauschen, für den Kältekreis brauchen sie jedoch eine Zusatzqualifikation oder einen Mechatroniker für Kältetechnik im Team.
Genau dieses Berufsbild ist rar: Der Ausbildungsberuf ist klein, die Zahl der Betriebe überschaubar, und die Absolventen werden zugleich von Rechenzentren, Lebensmittellogistik und Industrie umworben — Branchen, die häufig höhere Löhne zahlen als das Bauhandwerk.
Wie sehr der Fachkräftemangel bei den Installateuren die Branche insgesamt belastet, zeigt sich längst nicht nur bei der Kältetechnik.
Hinzu kommt eine technische Verschiebung, die das Problem verschärft.
Immer mehr Hersteller setzen auf das natürliche Kältemittel Propan, das klimafreundlich, aber brennbar ist.
Auch dafür sind geschulte Fachkräfte nötig.
Der Engpass verlagert sich also nicht, er verdoppelt sich.
Warum trifft es den Bestand härter als den Neubau?
Im Neubau lässt sich eine Wärmepumpe von Beginn an einplanen: Fußbodenheizung, gedämmte Hülle, standardisierte Abläufe.
Im Bestand dagegen ist jedes Projekt ein Einzelfall.
Alte Heizkörper, hohe Vorlauftemperaturen, enge Kellerräume und unklare Dämmstandards erfordern eine individuelle Auslegung — und damit deutlich mehr qualifizierte Arbeitsstunden pro Anlage.
Genau diese Planungs- und Anpassungsarbeit können viele Betriebe mangels Personal nicht in der nötigen Breite anbieten.
Marktteilnehmer berichten, dass Betriebe Aufträge im Bestand teils ablehnen und sich auf lukrativere, planbarere Neubauprojekte konzentrieren.
Für die Klimaziele ist das ein Problem: Der weitaus größte Teil der rund 41 Millionen Wohnungen in Deutschland liegt im Bestand, dort entscheidet sich die Wärmewende.
Reicht mehr Geld allein?
Die Debatte um Förderhöhen greift damit zu kurz.
Selbst eine großzügigere Bezuschussung erhöht nicht die Zahl verfügbarer Fachkräfte — sie verlängert im Zweifel nur die Warteliste.
Handwerksorganisationen fordern deshalb schnellere Anerkennung ausländischer Abschlüsse, modulare Weiterbildungen für SHK-Gesellen im Bereich Kältetechnik und eine Aufwertung des Ausbildungsberufs.
Auch die Hersteller reagieren: vorkonfektionierte Monoblock-Geräte, bei denen der Kältekreis werksseitig geschlossen bleibt, senken die Qualifikationsanforderungen auf der Baustelle.
Ob das reicht, ist offen.
Sicher ist: Die Heizungswende wird derzeit weniger in Berliner Ausschüssen entschieden als in den Auftragsbüchern von Handwerksbetrieben — und dort fehlt vor allem eines: Personal.



