Die Berlinische Galerie steht vor einem personellen Umbruch.
Der angekündigte Wechsel an der Spitze des Landesmuseums für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur fällt in eine Phase, in der die Berliner Museumslandschaft ohnehin auf dem Prüfstand steht.
Was zunächst wie eine reguläre Nachfolgefrage wirkt, bündelt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern eine Reihe von Problemen, die weit über das Haus in der Alten Jakobstraße hinausreichen — und die in den kommenden Jahren auch andere Häuser der Hauptstadt erfassen dürften.

Finanzierung auf Kante genäht

Die Berliner Museen agieren seit Jahren in einem schmaler werdenden finanziellen Korridor.
Steigende Energiekosten, tarifbedingt wachsende Personalausgaben und die ständige Notwendigkeit, denkmalgeschützte Bauten instand zu halten, fressen Spielräume auf, die früher in Ankäufe, Vermittlung oder Forschung geflossen sind.
Hinzu kommt, dass die jüngsten Haushaltsberatungen des Senats erneut Kürzungen im Kulturbereich vorsahen, die zwar teils zurückgenommen wurden, aber das Misstrauen in eine verlässliche Grundfinanzierung vertieft haben.

Für ein vergleichsweise junges Haus wie die Berlinische Galerie, das auf Sonderausstellungen und ein lebendiges Programm angewiesen ist, wiegen solche Unsicherheiten schwer.
Marktteilnehmer aus dem Berliner Kunstbetrieb verweisen darauf, dass Sponsoringbudgets privater Förderer ebenfalls stagnieren, während Versicherungs- und Transportkosten für Leihgaben deutlich gestiegen sind.
Eine neue Leitung wird unter diesen Bedingungen weniger Gestaltungsspielraum vorfinden als noch vor einem Jahrzehnt.

Personalfluktuation und institutionelles Gedächtnis

Parallel dazu erleben mehrere Berliner Häuser eine ungewöhnlich hohe Fluktuation in Schlüsselpositionen — von Kuratorinnen über Restauratoren bis hin zur Verwaltung.
Befristete Verträge, vergleichsweise niedrige Einstiegsgehälter im öffentlichen Dienst und die Konkurrenz durch private Sammlungen, Stiftungen und Auktionshäuser machen es schwerer, qualifiziertes Personal langfristig zu binden.
Wo Mitarbeitende nach wenigen Jahren das Haus wieder verlassen, geht institutionelles Wissen verloren, das sich nicht ohne Weiteres ersetzen lässt.

Gerade für ein Sammlungshaus, dessen Bestände kontinuierliche Pflege, Forschung und Provenienzklärung erfordern, ist dieser Aderlass problematisch.
Branchenbeobachter sprechen von einer schleichenden Erosion, die nach außen kaum sichtbar werde, im Inneren aber die Arbeitsfähigkeit untergrabe.
Der anstehende Wechsel an der Spitze wirft die Frage auf, ob die neue Leitung primär verwalten oder tatsächlich Strukturen weiterentwickeln können wird.

Unklarer Sammlungsauftrag, viele Erwartungen

Hinzu kommt eine grundsätzliche Debatte über den Auftrag der Hauptstadtmuseen.
Die Berlinische Galerie soll Berliner Kunst des 20. und 21.
Jahrhunderts dokumentieren — doch was das in einer zunehmend internationalen, postmigrantischen Stadt konkret bedeutet, ist umstritten.
Erwartet werden zugleich eine stärkere Öffnung in die Stadtgesellschaft, eine konsequente Aufarbeitung von DDR- und Nachwendekunst, mehr Diversität im Sammlungsprofil und ein souveräner Umgang mit digitalen Vermittlungsformaten.

Diese Gemengelage trifft nicht nur die Berlinische Galerie.
Auch andere Häuser, von den Staatlichen Museen bis zu kleineren Bezirksinstitutionen, ringen um ein Profil, das politische Erwartungen, wissenschaftliche Standards und Publikumsinteressen austariert.
Insofern hat der Direktorenwechsel Signalwirkung: Er zeigt, dass es längst nicht mehr nur um einzelne Personalentscheidungen geht, sondern um die Frage, wie Berlin seine Museen in den kommenden Jahren überhaupt aufstellen will.

Quellen