Das Multisport-Event Die Finals trägt vom Ende Juni 2026 an zahlreiche deutsche Meisterschaften gebündelt in Hannover aus, organisiert unter dem Dach von ARD und ZDF gemeinsam mit den beteiligten Sportverbänden.
Die Idee dahinter: An einem einzigen Wochenende und an einem zentralen Ort sollen Titelkämpfe vieler olympischer Disziplinen stattfinden, vom Leichtathletik-Stadion über die Schwimmhalle bis in die Innenstadt, wo Wettbewerbe wie Kanu, Triathlon oder Turnen ein Laufpublikum erreichen.

Was steckt hinter dem gebündelten Format?

Die Grundüberlegung ist publizistischer wie sportpolitischer Natur.
Einzelne deutsche Meisterschaften in Sportarten wie Bahnradsport, Bogenschießen oder Trampolinturnen finden über das Jahr verteilt statt und erreichen in der Regel nur ein Fachpublikum.
Werden sie an einem Wochenende konzentriert, entsteht ein Programm, das die öffentlich-rechtlichen Sender über viele Stunden hinweg im Hauptprogramm und in den Mediatheken übertragen können.
Für die Verbände bedeutet das Sendezeit und Aufmerksamkeit, die sie isoliert kaum erhielten.

Getragen wird das Format von der Logik, dass Reichweite planbar wird, wenn viele Wettbewerbe ein gemeinsames Dach erhalten.
Statt vereinzelter Randmeldungen entsteht ein Ereignis mit eigener Marke, das sich bewerben und vermarkten lässt.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sieht in solchen Formaten einen Weg, die Breite des olympischen Sports stärker ins Bewusstsein zu rücken – jenseits der Dominanz des Fußballs, der den deutschen Sportkalender und die TV-Erlöse prägt.

Was bedeutet das für olympische Sportarten?

Die Sichtbarkeit abseits des Fußballs ist der eigentliche Kern des Vorhabens.
Während die Fußball-Bundesliga, die von der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisiert wird, ganzjährig Schlagzeilen und Übertragungsrechte im Milliardenbereich auf sich zieht, kämpfen viele olympische Verbände um Aufmerksamkeit und damit um Sponsoren und Nachwuchs.
Ein konzentriertes Schaufenster kann dieses Missverhältnis nicht auflösen, aber es schafft jährlich wiederkehrende Anlässe, zu denen auch kleinere Sportarten ein größeres Publikum finden.

Kritisch wird mitunter angemerkt, dass die Bündelung Wettbewerbe in Konkurrenz zueinander setzt: Wer parallel zu einer reichweitenstarken Disziplin antritt, bleibt im Schatten.
Marktbeobachter verweisen zugleich darauf, dass die Verzahnung von Stadtraum und Wettkampf – etwa Sprintstrecken oder Kletterwände in der Innenstadt – ein Publikum erreicht, das ein klassisches Stadion nicht aufsuchen würde.

Wie hat sich das Format seit der Premiere entwickelt?

Die Finals starteten 2019 mit einer Premiere in Berlin und etablierten sich in den Folgejahren als wiederkehrendes Sommerformat, das zwischen verschiedenen Ausrichterstädten und Regionen wechselte.
Die Zahl der beteiligten Sportarten und Meisterschaften schwankte dabei von Ausgabe zu Ausgabe, ebenso die Beteiligung einzelner Verbände, die je nach eigenem Wettkampfkalender ein- oder ausstiegen.

Mit der Austragung in Hannover führt das Format seine Rotation durch deutsche Großstädte fort.
Für die Stadt ist die Ausrichtung zugleich ein Standortthema: Multisport-Events binden kommunale Mittel und Infrastruktur, versprechen aber Übernachtungen, mediale Präsenz und einen Imagegewinn.
Ob das Format seinen Anspruch dauerhaft einlöst, hängt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern davon ab, ob die Sender langfristig Sendeplätze reservieren und die Verbände verlässlich teilnehmen.