Mit dem Multisport-Festival „Die Finals“ tragen in diesem Sommer zahlreiche olympische Sportverbände ihre nationalen Titelkämpfe gemeinsam in Hannover aus und wollen damit Disziplinen abseits des Fußballs ein großes Publikum verschaffen.
Das Format bündelt deutsche Meisterschaften aus mehr als einem Dutzend Sportarten an wenigen Tagen und an einem Ort, übertragen in weiten Teilen live von ARD und ZDF.
Getragen wird die Idee vom Gedanken, dass Randsportarten nur dann Reichweite gewinnen, wenn sie nicht vereinzelt, sondern gebündelt und medial sichtbar stattfinden.
Was sind „Die Finals“?
„Die Finals“ sind ein seit 2019 etabliertes Multisport-Event, bei dem mehrere Spitzenverbände ihre deutschen Meisterschaften zeitgleich austragen.
Statt einzelner, über das Jahr verteilter Titelkämpfe entsteht ein konzentriertes Sportwochenende mit Entscheidungen etwa in der Leichtathletik, im Turnen, im Schwimmen, im Kanu, im Bogenschießen oder im Triathlon.
Die Bündelung erlaubt es den öffentlich-rechtlichen Sendern, über Stunden hinweg ein dichtes Programm aus Finalentscheidungen zu zeigen, das einzelne Verbände allein kaum in vergleichbare Sendezeit bringen würden.
Für 2026 ist Hannover als Gastgeberstadt vorgesehen, nachdem das Format in den Vorjahren bereits in mehreren deutschen Regionen ausgetragen wurde.
Der organisatorische Rahmen verbindet die beteiligten Fachverbände, die ausrichtende Kommune sowie die TV-Partner.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) flankiert das Konzept, weil es viele jener olympischen Disziplinen sichtbar macht, die im Wettbewerb um Aufmerksamkeit und Nachwuchs sonst klar hinter dem Profifußball zurückstehen.
Warum Hannover und die Randsportarten profitieren
Für die Verbände liegt der Reiz in der gebündelten Reichweite.
Eine deutsche Meisterschaft im Kanuslalom oder im Sportklettern erreicht als Einzelveranstaltung selten ein Millionenpublikum; eingebettet in ein Multisport-Festival mit durchgehender TV-Präsenz steigen die Chancen auf Sichtbarkeit, Sponsorengespräche und Nachwuchsinteresse deutlich.
Marktteilnehmer verweisen darauf, dass planbare, wiederkehrende Großereignisse die Vermarktung olympischer Sportarten erleichtern, weil sie Reichweite kalkulierbar machen.
Für Hannover wiederum verbindet sich mit der Ausrichtung ein standortpolitisches Interesse.
Eine Stadt, die mehrere nationale Titelkämpfe gleichzeitig beherbergt, präsentiert ihre Sportstätten, ihre Infrastruktur und ihre Organisationskraft einem überregionalen Publikum.
Kommunale Sportförderung und Eventausrichtung gelten Branchenbeobachtern als Instrumente, um Aufmerksamkeit, Übernachtungen und ein positives Standortimage zu erzeugen.
Welche Bedeutung das Format für den Sportstandort hat
Die Einordnung fällt zwiespältig aus.
Befürworter sehen in „Die Finals“ ein wirksames Gegenmittel gegen die mediale Dominanz des Fußballs und ein Schaufenster für olympische Sportarten, die zwischen den Sommerspielen kaum öffentliche Bühne finden.
Kritischer betrachtet wird, dass mediale Sichtbarkeit an einzelnen Tagen nicht automatisch in dauerhafte Strukturen, höhere Mitgliederzahlen oder stabile Finanzierung mündet.
Ob das Multisport-Format den Sportstandort nachhaltig stärkt, hängt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern davon ab, ob die punktuelle Aufmerksamkeit in dauerhafte Förderung, Nachwuchsarbeit und verlässliche TV-Präsenz übersetzt wird.
Als Konzept steht Hannover damit für einen Versuch, die Aufmerksamkeitsökonomie des Sports zugunsten kleinerer Disziplinen zu verschieben.



