Mehrere deutsche Regionen positionieren sich derzeit für eine nationale Olympia-Bewerbung, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für künftige Sommerspiele auf den Weg bringen will.
Neben München bringen sich vor allem die Rhein-Ruhr-Region, Berlin und Hamburg in Stellung, während der DOSB den Rückhalt in der Bevölkerung als zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche Kandidatur betont.

Der Vorstoß folgt auf eine Reihe gescheiterter Anläufe der vergangenen Jahre.
München hatte 2013 eine Winterspiel-Bewerbung per Bürgerentscheid verworfen, Hamburg votierte 2015 gegen Sommerspiele.
Diesmal soll die Bevölkerung früher eingebunden werden.
Der DOSB hat angekündigt, vor einer formalen Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Zustimmung über Referenden absichern zu wollen.

Wie weit ist das Verfahren?

Das Verfahren befindet sich noch in einer frühen Sondierungsphase.
Der DOSB sammelt die Konzepte der interessierten Regionen und will daraus eine gemeinsame nationale Bewerbung formen.
Anders als bei früheren Anläufen ist auch ein dezentrales Modell im Gespräch, bei dem sich mehrere Städte die Wettkampfstätten teilen.
Damit reagiert der Verband auf die Reformagenda des IOC, das seit der "Olympic Agenda 2020" auf kostengünstigere und nachhaltigere Spiele drängt und bestehende Sportstätten bevorzugt.

Ein konkretes Zieljahr ist noch nicht festgelegt.
In der Diskussion stehen die Sommerspiele 2036 oder 2040, wobei das Jahr 2036 wegen des historischen Bezugs zu den Spielen von 1936 in Berlin als politisch heikel gilt.
Der Zeitplan hängt auch davon ab, wann das IOC in den sogenannten kontinuierlichen Dialog mit interessierten Ausrichtern eintritt.

Welche Finanzierungsfragen sind offen?

Die Finanzierung zählt zu den größten Streitpunkten.
Olympische Sommerspiele gelten als milliardenschweres Vorhaben, dessen Kosten sich auf Bund, Länder und Kommunen verteilen würden.
Strittig ist insbesondere, in welchem Umfang der Bund Garantien übernimmt und wie das Verhältnis von öffentlichen zu privaten Mitteln ausfällt.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass frühere Bewerbungen auch an der Sorge vor Kostenüberschreitungen scheiterten, wie sie bei mehreren vergangenen Austragungen auftraten.

Befürworter argumentieren, dass ein dezentrales Konzept mit überwiegend bestehenden Sportstätten die Investitionen begrenzen und Folgekosten durch ungenutzte Neubauten vermeiden könnte.
Kritiker bezweifeln, dass sich die Gesamtkosten verlässlich kalkulieren lassen, und fordern verbindliche Obergrenzen vor einem Referendum.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für die Spiele?

Eng damit verknüpft ist die Debatte um die Nachhaltigkeit der Spiele.
Der DOSB stellt die Wiederverwendung vorhandener Infrastruktur und einen begrenzten Flächenverbrauch in den Vordergrund.
Gefragt wird, ob temporäre Bauten, der öffentliche Nahverkehr und die Klimabilanz den eigenen Ansprüchen genügen.
Umwelt- und Sozialverbände knüpfen ihre Unterstützung an überprüfbare Kriterien.

Für die Regionen geht es zugleich um Standortwerbung: Eine Ausrichtung verspricht internationale Sichtbarkeit und Investitionen in Verkehr und Stadtentwicklung.
Ob daraus eine tragfähige Bewerbung wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten — wenn der DOSB ein gemeinsames Konzept vorlegt und die beteiligten Regionen ihre Bevölkerung befragen.