Am Pfingstwochenende hat die Südtiroler Landesregierung erstmals eine sogenannte Dosierampel an der Brenner-Autobahn A22 eingesetzt, um den Reiseverkehr Richtung Süden zu entzerren.
Trotz der neuen Maßnahme berichteten deutsche Reisende am Samstag von Wartezeiten von bis zu sechs Stunden zwischen Brennerpass und Bozen.
Die Behörden in Bozen verteidigten den Pilotversuch, räumten jedoch ein, dass die Kapazitäten der Ausweichrouten nicht ausreichten.

Der Pfingstreiseverkehr gilt seit Jahren als eine der größten Belastungsproben für die Transitachse zwischen München und Verona.
Allein an Samstagen im Mai passieren nach Angaben der Brennerautobahngesellschaft Autostrada del Brennero regelmäßig mehr als 40.000 Fahrzeuge die Mautstelle Sterzing.

Wie funktioniert die neue Dosierampel?

Die Dosierampel ist Teil eines Maßnahmenpakets, das die Provinz Bozen gemeinsam mit dem italienischen Verkehrsministerium und der Brennerautobahn-Betreibergesellschaft entwickelt hat.
Auf Höhe der Mautstelle Sterzing wird der einfahrende Verkehr in festgelegten Intervallen freigegeben, sobald die Verkehrsdichte auf der A22 in Richtung Süden einen Grenzwert überschreitet.
Ziel ist es, einen kontinuierlichen Verkehrsfluss zu sichern und das Risiko stehender Kolonnen auf den Brückenbauwerken zu reduzieren.

Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) hatte das Konzept im Frühjahr als „verkehrslenkendes Instrument mit ökologischer Dimension“ vorgestellt.
Anders als ein Fahrverbot dürfe die Ampel nicht als Sperre verstanden werden, sondern als Steuerungsinstrument.
Kritiker aus dem deutschen und österreichischen Speditionsgewerbe hatten im Vorfeld bemängelt, die Regelung verlagere den Stau lediglich auf andere Streckenabschnitte.

Warum die Wartezeiten dennoch eskalierten

Deutsche Urlauber, die am Pfingstsamstag über den Brenner nach Italien fuhren, berichteten in sozialen Netzwerken und gegenüber Automobilclubs von Wartezeiten zwischen vier und sechs Stunden.
Besonders betroffen waren laut Beobachtungen der Verkehrsmeldezentrale Tirol der Streckenabschnitt zwischen Innsbruck und der Staatsgrenze sowie die Anschlussstellen rund um Brixen.
Ein Lkw-Unfall in Höhe Klausen am späten Vormittag verstärkte die Rückstaus zusätzlich.

Die Tiroler Landesregierung hatte parallel ihre umstrittenen Blockabfertigungen für Schwerverkehr aufrechterhalten, was aus Sicht süddeutscher Spediteure die Lage zusätzlich verschärft.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Kombination aus österreichischer Blockabfertigung und italienischer Dosierampel erstmals auf engem Streckenabschnitt zusammenwirkte – ohne dass beide Seiten ihre Maßnahmen eng abgestimmt hätten.

Welche Folgen hat der Pilotversuch?

Die Südtiroler Behörden kündigten an, die Daten des Wochenendes auswerten und die Dosierampel gegebenenfalls an den weiteren Reisewochenenden im Sommer 2026 erneut einsetzen zu wollen.
Der ADAC empfahl Reisenden, alternative Routen über den Reschenpass oder die Tauernautobahn zu prüfen, wies aber zugleich darauf hin, dass auch dort an Pfingsten mit erheblichen Behinderungen zu rechnen sei.

Im bayerischen Verkehrsministerium hieß es, man werde die Erfahrungen des Pilotversuchs mit den österreichischen und italienischen Partnern auswerten.
Die EU-Kommission prüft seit Längerem, ob einseitige Verkehrsbeschränkungen an der Brenner-Achse mit dem Binnenmarktrecht vereinbar sind.
Ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich wegen der Blockabfertigungen läuft bereits seit mehreren Jahren.

Quellen