Die Rückreisewelle nach Pfingsten hat am Sonntag und Pfingstmontag auf der Brennerautobahn A22 zwischen Sterzing und Brenner Wartezeiten von bis zu vier Stunden verursacht.
Hintergrund ist nicht nur das hohe Verkehrsaufkommen aus Italien und Österreich, sondern auch die seit Saisonbeginn geltende Slot-Buchungspflicht der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol für Transitfahrten durch das Eisacktal.
Reisende mit gebuchtem Zeitfenster berichten in sozialen Medien und gegenüber Automobilclubs, dass sie trotz fristgerechter Anmeldung in Kontrollen geraten seien und Verwarnungsgelder erhalten hätten.
Wie funktioniert die neue Slot-Pflicht?
Die Südtiroler Landesregierung hat das digitale Buchungssystem als Reaktion auf die anhaltende Belastung der Brenner-Achse eingeführt.
Pkw- und Wohnmobilreisende, die an Spitzentagen die A22 zwischen der Staatsgrenze und Bozen Süd nutzen, müssen über ein Online-Portal ein zweistündiges Zeitfenster reservieren.
Die Maßnahme orientiert sich an Modellen, die Tirol mit dem Blockabfertigungs- und Fahrverbotssystem auf der Inntalautobahn seit Jahren erprobt.
Ziel ist eine Glättung der Verkehrsspitzen, vor allem an den klassischen Reisewochenenden Ostern, Pfingsten und im Hochsommer.
Die technische Umsetzung läuft über die Brenner Autobahn AG.
Erfasst wird das Kennzeichen, abgeglichen wird bei der Mautstation.
Kritik kommt von Branchenbeobachtern: Das Portal sei in Spitzenzeiten zeitweise nicht erreichbar gewesen, Bestätigungs-E-Mails seien verspätet zugestellt worden.
Mehrere Reisende geben an, einen gültigen Slot vorgewiesen zu haben, aber dennoch in eine Sanktion geraten zu sein, weil das System sie an einer benachbarten Mautstelle nicht erkannt habe.
Warum betrifft das deutsche Urlauber besonders?
Die A22 ist die mit Abstand wichtigste Süd-Nord-Achse für deutsche Italien-Reisende.
Wer aus Gardasee, Venetien, der Toskana oder Apulien zurückfährt, hat in der Regel keine praktikable Alternative; die Reschenpass-Route ist landschaftlich attraktiv, aber für Wohnmobile und Anhängergespanne stark eingeschränkt.
Das macht die Slot-Pflicht für Reisende aus Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen faktisch verpflichtend, wenn sie an einem Spitzentag heimkehren wollen.
Der ADAC sowie der Deutsche Reiseverband (DRV) hatten bereits im Vorfeld auf Informationsdefizite hingewiesen.
Viele Urlauber buchen ihre Reisen Monate im Voraus, das Slot-Portal öffnet jedoch erst kurzfristig.
Wer keinen Slot mehr erhält, muss entweder außerhalb der Sperrzeiten fahren – also nachts oder sehr früh am Morgen – oder über Landesstraßen ausweichen, was wiederum Anwohnergemeinden im Wipptal belastet.
Welche Konsequenzen drohen?
Die Höhe der Bußgelder bei Verstößen gegen die Slot-Pflicht bewegt sich nach Angaben der Südtiroler Verkehrsbehörde im unteren dreistelligen Eurobereich pro Fahrt; bei Wiederholung sind Aufschläge vorgesehen.
Reisende, die zu Unrecht sanktioniert wurden, können Einspruch über die zuständige Präfektur einlegen.
Verbraucherschützer empfehlen, Screenshots der Buchungsbestätigung sowie GPS-Daten der Fahrt aufzubewahren.
Längerfristig dürfte der Brenner-Konflikt auf europäischer Ebene weiterschwelen.
Die EU-Kommission prüft bereits seit Längerem die Vereinbarkeit der Tiroler Fahrverbote mit der Warenverkehrsfreiheit.
Eine Ausweitung der Südtiroler Slot-Pflicht auf den gesamten Sommerverkehr ist nach Angaben aus dem Bozner Mobilitätsressort nicht ausgeschlossen.



