In Frankfurt beginnt an diesem Dienstag das 19.
Lichter Filmfest — und schon das diesjährige Leitmotiv deutet an, dass es dem Festival um mehr geht als um ein weiteres Schaufenster für neue Filme.
Unter dem Motto „Kunst“ verbindet das Programm internationale Produktionen, regionales Filmschaffen, Videokunst und Branchengespräche.
Bis zum 3.
Mai verteilt sich das Festival über mehrere Spielorte in der Stadt und macht Frankfurt für einige Tage zu einem Resonanzraum für die Frage, welche Rolle Film in einer von Bildern überfüllten Gegenwart noch einnehmen kann.

Dass ein Filmfestival ausgerechnet Kunst zum Thema macht, klingt zunächst naheliegend.
Doch im Fall von Lichter liegt darin eine programmatische Verschiebung.
Das Festival interessiert sich traditionell für die Verbindung von Kino und Stadtgesellschaft, für politische Stoffe, regionale Perspektiven und filmische Experimente.
2026 rückt nun stärker in den Vordergrund, wie Filme selbst über Kunst sprechen: über Arbeit, Sichtbarkeit, Markt, Macht und die Bedingungen, unter denen Bilder entstehen.

Mehr als roter Teppich

Der Auftakt in Frankfurt fällt in eine Zeit, in der Filmfestivals um Aufmerksamkeit konkurrieren und zugleich ihre Funktion neu erklären müssen.
Streamingplattformen haben die Auswertungsketten verändert, viele Kinos kämpfen mit schwankenden Besucherzahlen, und die öffentliche Filmförderung steht immer wieder unter Rechtfertigungsdruck.
Ein regional verankertes Festival wie Lichter reagiert darauf nicht mit bloßer Eventisierung, sondern mit einer Erweiterung des Begriffs Kino.

Neben Lang- und Kurzfilmen gehören auch der Lichter Art Award für Videokunst und Formate zum Virtual-Reality-Erzählen zum Programm.
Damit verschwimmen die Grenzen zwischen Leinwand, Ausstellung und digitalem Raum.
Für das Publikum kann das anstrengender sein als ein klassisches Festivalprogramm, aber auch produktiver: Wer sich auf diese Mischung einlässt, sieht Film nicht nur als fertiges Werk, sondern als Teil einer größeren visuellen Kultur.

Frankfurt als Bühne und Gegenstand

Für Frankfurt ist das Festival mehr als ein Kulturtermin.
Die Stadt dient nicht nur als Kulisse, sondern als Gegenstand der Auseinandersetzung.
Gerade weil Lichter nicht in einer der traditionellen deutschen Filmmetropolen stattfindet, sondern in einer Stadt, die oft über Finanzen, Messegeschäft und Flughafen definiert wird, hat das Festival einen eigenen Ton entwickelt.
Es fragt, wie Kultur in einer wirtschaftlich geprägten Stadt sichtbar bleibt — und wie sie Räume besetzt, die sonst kaum für künstlerische Öffentlichkeit stehen.

Der regionale Wettbewerb spielt dabei eine wichtige Rolle.
Er gibt Filmemacherinnen und Filmemachern aus Hessen und der Rhein-Main-Region eine Bühne, ohne das Festival auf Lokalpatriotismus zu verengen.
Im besten Fall entsteht daraus ein doppelter Blick: Frankfurt schaut auf die Welt, und die Welt verändert den Blick auf Frankfurt.

Ein Test für die Kulturförderung

Die diesjährige Ausgabe ist auch ein Gradmesser für die kulturpolitische Stimmung.
Festivals wie Lichter leben von einem empfindlichen Gleichgewicht aus öffentlicher Förderung, ehrenamtlichem Engagement, Sponsoren und Publikum.
Wenn sie gelingen, wirken sie selbstverständlich; wenn Mittel knapper werden, zeigt sich schnell, wie abhängig kulturelle Infrastruktur von langfristiger Planung ist.

Gerade deshalb ist das Motto „Kunst“ nicht nur ästhetisch zu verstehen.
Es erinnert daran, dass Kunst nicht im luftleeren Raum entsteht.
Sie braucht Produktionsbedingungen, Orte, Geld, Publikum und Streit.
Lichter macht diese Voraussetzungen sichtbar, ohne den Festivalcharakter aufzugeben.
Darin liegt seine Stärke: Das Festival feiert Kino, aber es behandelt es nicht als bloße Abwechslung vom Alltag.
Es nimmt Film ernst als Medium, das gesellschaftliche Wirklichkeit beobachtet, formt und manchmal auch stört.

Quellen