Zu den Pfingstfeiertagen verzeichnen die Nord- und Ostseebäder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage: Tourismusverbände in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern melden für Sylt und Rügen nahezu ausgebuchte Beherbergungskapazitäten, während mehrere Bürgermeister vor einer Überlastung kommunaler Infrastruktur warnen.
Betroffen sind insbesondere die Trinkwasserversorgung, die Abfallentsorgung sowie die Verkehrsanbindung der Inseln.
Nach Angaben regionaler Tourismusverbände liegt die Auslastung der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen auf Sylt und Rügen über den Pfingsttagen nahe der Vollauslastung.
Beobachter im Gastgewerbe verweisen auf das frühe Pfingstwochenende, stabile Wetterprognosen für die Küstenregionen und einen anhaltenden Trend zur Inlandsreise.
Auch die nachgelagerten Bäder von Westerland bis Binz registrieren laut Branchenkreisen ein hohes Buchungsvolumen im Tagestourismus.
Warum die Kommunen Alarm schlagen
Die Bürgermeister mehrerer Küstengemeinden auf Sylt und Rügen haben sich in den vergangenen Tagen besorgt über die Belastungssituation geäußert.
Im Mittelpunkt steht die Trinkwasserversorgung: In den Sommermonaten vervielfacht sich die Einwohnerzahl mancher Gemeinden durch Tagesgäste und Übernachtungstouristen, was die Förder- und Verteilnetze an ihre Auslegungsgrenzen bringt.
Auf Sylt etwa lebt außerhalb der Saison ein Bruchteil der Menschen, die sich an Spitzentagen gleichzeitig auf der Insel aufhalten.
Hinzu kommen Engpässe in der Abfallwirtschaft.
Mehrere Kommunen berichten, dass die regulären Abfuhrintervalle bei Restmüll und Verpackungen während Hochsaisonwochenenden nicht ausreichen.
Insbesondere an Strandzugängen, Promenaden und Imbissbereichen sammelten sich Müllmengen, die zusätzliche Sonderleerungen erforderlich machten.
Die Zusatzkosten tragen bislang überwiegend die Gemeinden selbst, da Kurabgaben und Zweitwohnsteuern nur einen Teil der saisonalen Mehrlasten decken.
Auch die Verkehrsinfrastruktur gerät unter Druck.
Auf Sylt warnt die Deutsche Bahn regelmäßig vor Kapazitätsgrenzen des Sylt-Shuttles und des Hindenburgdamms, der die Insel als einzige feste Landverbindung an das Schienennetz anschließt.
Auf Rügen sorgt der Pendelverkehr über den Rügendamm bei Stralsund an Feiertagen erfahrungsgemäß für Staus.
Welche Maßnahmen die Länder erwägen
In den zuständigen Landesministerien für Wirtschaft und Tourismus wird seit Längerem über Instrumente zur Steuerung des Besucheraufkommens diskutiert.
Im Gespräch sind unter anderem eine stärkere Lenkung über digitale Buchungs- und Reservierungssysteme an besonders frequentierten Stränden, höhere Zweitwohnsteuern in Hotspot-Gemeinden sowie ein Ausbau der ÖPNV-Anbindung zur Reduktion des Individualverkehrs.
Konkrete Beschlüsse zu Pfingsten sind nicht zu erwarten; verbindliche Schritte kündigten die Landesregierungen bislang nicht an.
Tourismusverbände warnen ihrerseits vor zu restriktiven Eingriffen.
Sie verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung der Sommermonate, in denen ein erheblicher Anteil des Jahresumsatzes von Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungen an der Küste erwirtschaftet wird.
Branchenvertreter plädieren stattdessen für Investitionen in die kommunale Infrastruktur, insbesondere in Wasser- und Abwassersysteme sowie in die Abfallwirtschaft.
Ausblick auf die Sommersaison
Das Pfingstwochenende gilt traditionell als Auftakt der touristischen Hauptsaison an Nord- und Ostsee.
Aus Sicht von Marktteilnehmern liefert das aktuelle Buchungsniveau einen Indikator für die kommenden Monate: Sollte sich die Nachfrage auf diesem Niveau halten, dürfte die Belastung kommunaler Systeme bis in den September hinein anhalten.
Die jetzt aufgeworfenen Fragen zur Finanzierung und Steuerung des Küstentourismus werden die politische Debatte in den Ländern damit voraussichtlich über das Pfingstwochenende hinaus prägen.



