Vor dem Pfingstwochenende stoßen die Fährverbindungen zwischen Rostock und Skandinavien an ihre Kapazitätsgrenze: Reedereien wie die Scandlines GmbH, die TT-Line GmbH & Co.
KG und die Stena Line Scandinavia AB melden für die Routen nach Gedser, Trelleborg und über den Kattegat eine außergewöhnlich starke Buchungslage.
Mehrere Anbieter haben kurzfristig zusätzliche Abfahrten in den Fahrplan aufgenommen, um die Nachfrage abzufedern.
Besonders knapp sind die Stellplätze für Wohnmobile und Gespanne – ein Engpass, der sich nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zum strukturellen Problem der Sommersaison entwickelt.
Warum die Pfingstwoche zur Belastungsprobe wird
Pfingsten gilt seit Jahren als zweitstärkstes Reisefenster nach den Sommerferien, weil Schulferien in mehreren Bundesländern, Brückentage und das verlängerte Wochenende zusammenfallen.
Hinzu kommt, dass Skandinavien-Urlauber überdurchschnittlich oft mit eigenem Fahrzeug anreisen, vom Pkw über das Wohnmobil bis zum Wohnwagengespann.
Während die Reedereien Pkw-Decks vergleichsweise flexibel belegen können, sind die Stellflächen für Fahrzeuge über sechs Metern Länge oder mit erhöhter Bauhöhe baulich begrenzt.
Auf den großen RoPax-Fähren der Route Rostock–Trelleborg etwa stehen pro Abfahrt nur wenige Dutzend solcher Plätze zur Verfügung; auf der dänischen Vogelfluglinie ist das Bild ähnlich.
Die Folge: Während Pkw-Tickets in der Pfingstwoche teils noch kurzfristig buchbar sind, melden die Buchungsportale für die Camper-Klassen seit Wochen weitgehend ausgebucht.
Wer keinen Platz mehr findet, weicht auf längere Landrouten über die Storebæltsbrücke und die Öresundbrücke aus – mit entsprechend höherer Maut- und Spritbelastung.
Wie die Reedereien gegensteuern
Als Reaktion auf die Buchungslage haben mehrere Anbieter zusätzliche Rotationen eingelegt.
Auf der Route Rostock–Gedser fahren in der Spitzenwoche planmäßig bis zu 16 Abfahrten täglich; Reedereien greifen für Pfingsten auf eine engere Taktung und längere Bedienzeiten zurück.
Die TT-Line ergänzt das Angebot zwischen Travemünde und Trelleborg um Nachtabfahrten, Stena Line erweitert auf der Strecke Kiel–Göteborg den Frachtbereich, um Reservierungen für Wohnmobile zu entzerren.
Dass die Reedereien nicht beliebig Tonnage nachschieben können, hat zwei Gründe.
Erstens ist der RoPax-Markt in Nord- und Ostsee seit Jahren angespannt, weil neu gebaute Schiffe vor allem als Ersatz für ältere Einheiten in Dienst gestellt werden und nicht als zusätzliche Kapazität.
Zweitens binden die LNG- und Methanol-Umrüstungen einzelner Schiffe Werftplätze und entziehen dem System vorübergehend Kapazität.
Marktteilnehmer verweisen zudem auf Personalengpässe an Bord und in den Häfen, die eine kurzfristige Aufstockung des Angebots erschweren.
Was Reisende beachten sollten
Für Pfingstreisende, die noch kurzfristig planen, empfehlen Branchenbeobachter, die Fahrzeugklasse beim Buchen exakt anzugeben – also nicht den Pkw-Tarif zu wählen, wenn ein Wohnmobil oder ein Gespann mitfährt.
Wer beim Check-in mit größeren Maßen erscheint als gebucht, riskiert Aufpreise oder die Verweisung auf eine spätere Abfahrt.
Auch eine flexible Wahl der Tageszeit hilft: Frühe Morgen- und späte Nachtabfahrten sind nach Angaben mehrerer Reedereien deutlich weniger nachgefragt als die klassischen Mittagsverbindungen.
Für die Reedereien dürfte das Pfingstwochenende ein Indikator dafür sein, wie stark die Saison 2026 insgesamt ausfällt.
Zwar liegt das Ostsee-Reiseaufkommen nach mehreren schwächeren Pandemiejahren wieder deutlich über dem Vorkrisenniveau, doch eine weitere Verschärfung des Camper-Engpasses könnte mittelfristig zu strukturellen Änderungen führen – von Reservierungspflichten bis hin zu Neubauten mit höherem Anteil an Großfahrzeug-Stellflächen.



