Die zur Pfingstsaison 2026 neu aufgelegte Fährverbindung zwischen dem Fährhafen Sassnitz-Mukran auf Rügen und dem dänischen Rønne auf Bornholm bleibt nach den ersten Betriebswochen deutlich hinter den Auslastungszielen der Reederei zurück.
Branchenbeobachter sehen die Hauptursache in der Konkurrenz durch günstige Flugverbindungen vom Flughafen Berlin Brandenburg (BER) sowie aus Kopenhagen nach Rønne, die die Überfahrt von rund dreieinhalb Stunden zeitlich und preislich unter Druck setzen.
Die Verbindung war im Frühjahr als saisonales Angebot für die Monate Mai bis September eingeführt worden, nachdem die klassische Route ab Sassnitz über Jahre hinweg nur unregelmäßig bedient worden war.
Der Fährhafen Mukran, der seit dem Wegfall der Schwedenfähre 2020 nach neuen Verkehren sucht, hatte die Wiederaufnahme als strategischen Baustein für den Ostseetourismus kommuniziert.
Warum bleibt die Auslastung hinter den Erwartungen zurück?
Nach Einschätzung von Marktteilnehmern wirken mehrere Faktoren zusammen.
Reisende aus dem Großraum Berlin, der für den Bornholm-Tourismus traditionell wichtig ist, erreichen die Insel per Flug in unter einer Stunde – häufig zu Preisen, die mit dem Fährticket inklusive Pkw vergleichbar sind.
Hinzu kommt die etablierte Konkurrenz der Linie Sassnitz–Ystad in Schweden mit anschließender dänischer Fähre nach Rønne, die für Pkw-Reisende mit Wohnwagen oft günstiger ausfällt.
Auch das Wetter spielte zum Saisonstart eine Rolle.
Pfingsten 2026 brachte an der Ostseeküste über mehrere Tage Regen und Temperaturen unter dem langjährigen Mittel, was Spontanbuchungen dämpfte.
Das steht im Kontrast zu den Rekordbuchungen an Nord- und Ostsee mit Schwerpunkt Sylt und Rügen, die für das deutsche Festland gemeldet wurden.
Reiseveranstalter berichten, dass insbesondere kurzfristige Familienreisen in den dänischen Teil der Ostsee gegenüber dem Vorjahr zurückgingen.
Welche Optionen prüft die Reederei?
Um die Auslastung zu stabilisieren, werden nach Angaben aus dem Umfeld der Betreiber mehrere Stellschrauben diskutiert.
Dazu zählen flexiblere Tarife für Stammgäste, Kombi-Angebote mit Hotelpartnern auf Bornholm sowie eine engere Verzahnung mit der Deutschen Bahn AG, die Rügen über die Verbindung Hamburg–Stralsund–Sassnitz an das Fernverkehrsnetz anbindet.
Auch ein gezieltes Marketing in Skandinavien für die Gegenrichtung steht zur Debatte, da dänische Urlauber Rügen und die Kreidefelsen des Nationalparks Jasmund als Ziel verstärkt nachfragen.
Aus Sicht des Deutschen Reiseverbands (DRV) ist die Entwicklung kein Einzelfall: Saisonale Fährverbindungen in der Ostsee stehen seit Jahren unter Druck durch veränderte Reisegewohnheiten, kürzere Aufenthaltsdauern und die Preissensibilität der Kundschaft, wie sie auch die jüngste Reiseanalyse zur Rekord-Reiselust der Deutschen beschreibt.
Die Wettbewerbsfähigkeit hänge stark davon ab, ob sich Fahrzeit, Komfort und Gesamtpreis gegenüber der Flugverbindung darstellen ließen.
Was bedeutet das für Reisende in der Hauptsaison?
Für Urlauber, die zwischen Juli und September Bornholm ansteuern, dürfte das schwache Buchungsbild kurzfristig Vorteile bringen.
Marktteilnehmer rechnen mit zusätzlichen Rabattaktionen und einer höheren Verfügbarkeit auch in den klassischen Ferienwochen.
Wer flexibel ist, kann zudem die längere Überfahrt als Teil der Reise einplanen – ein Argument, das die Reederei in ihrer Kommunikation zuletzt stärker in den Vordergrund rückt, passend zu den vom Marco Polo Trendguide 2026 ausgewiesenen Aufsteigerregionen an der Schlei und im Zittauer Gebirge.
Ob die Verbindung über die Saison 2026 hinaus Bestand haben wird, dürfte sich nach Angaben aus Branchenkreisen erst nach Auswertung der Sommermonate entscheiden.



