Nach mehr als einem Jahrzehnt Filialschließungen erproben einzelne Sparkassen und Genossenschaftsbanken im Sommer 2026 in ländlichen Regionen Deutschlands mobile Zweigstellen: umgebaute Busse mit Schalter, Beratungsplatz und Geldautomat, die nach festem Fahrplan Kleinstädte und Dörfer anfahren.
Anlass ist eine betriebswirtschaftliche Neubewertung – die Institute prüfen, ob der flächendeckende Rückzug am Ende mehr gekostet hat als der Betrieb kleiner Standorte.
Warum kehren Banken in die Fläche zurück?
Die Zahl der Bankstellen in Deutschland ist über Jahre kontinuierlich gesunken; die Deutsche Bundesbank dokumentiert diesen Rückgang in ihrer jährlichen Bankstellenstatistik.
Treiber waren die Niedrigzinsphase, in der Institute ihre Kostenbasis senken mussten, sowie die Verlagerung von Zahlungsverkehr und Standardgeschäft ins Onlinebanking.
Übrig blieben in vielen Landkreisen einzelne Hauptstellen und Geldautomaten, die zunehmend Ziel von Sprengungen wurden und deshalb ebenfalls abgebaut wurden.
Inzwischen hat sich die Ertragslage gedreht.
Nach den Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) verdienen Regionalinstitute wieder deutlich am Zinsgeschäft – und damit an Einlagen, die überwiegend von älteren, filialaffinen Kunden stammen.
Marktteilnehmer berichten, dass die Abwanderung nach Schließungen häufig unterschätzt wurde: Wer sein Girokonto kündigt, nimmt in der Regel auch Sparanlagen, Bauspar- und Versicherungsverträge mit.
Genau diese Bestandskunden sind es, deren Einlagen die Refinanzierung des Kreditgeschäfts tragen.
Das Rechenexempel: Filiale gegen Rückzug
Eine klassische Zweigstelle bindet Miete, Sicherheitstechnik, Bargeldlogistik und mindestens zwei Vollzeitstellen.
Ein Bus verteilt diese Kosten auf mehrere Orte: ein Fahrzeug, ein bis zwei Mitarbeitende, Halteplätze auf öffentlichen Parkflächen, die vielfach von den Kommunen gestellt werden.
Der Personalaufwand pro angefahrenem Ort sinkt, weil die Präsenz auf wenige Stunden je Woche begrenzt ist – dort, wo die Nachfrage ohnehin nur wenige Stunden füllt.
Dem stehen Kosten gegenüber, die in den Sparprogrammen der vergangenen Jahre selten sauber bilanziert wurden: Abwanderung von Einlagenkunden, Erosion des Vertriebszugangs zum Provisionsgeschäft, Reputationsverluste in Regionen, in denen Sparkassen einen öffentlichen Auftrag erfüllen, sowie steigende Aufwendungen für Telefon- und Videoberatung als Ersatzkanal.
Ob die Bilanz für den Bus positiv ausfällt, ist offen – die Pilotprojekte laufen zu kurz, um belastbare Deckungsbeiträge auszuweisen.
Die Gründe für den jahrelangen Filialabbau von Volksbanken und Sparkassen auf dem Land sind dabei nur zum Teil betriebswirtschaftlicher Natur.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass mobile Filialen in der Schweiz und in Teilen Skandinaviens seit Jahren betrieben werden, meist als Ergänzung, nicht als Ersatz einer Standortstruktur.
Bargeld als Infrastrukturfrage
Parallel wird die Bargeldversorgung politisch bewertet.
Die Bundesbank versteht die flächendeckende Verfügbarkeit von Banknoten als Teil der Zahlungsverkehrsinfrastruktur; auf europäischer Ebene wird der gesetzliche Annahmezwang für Bargeld diskutiert.
Das Zahlungskontengesetz sichert Verbraucherinnen und Verbrauchern zwar ein Basiskonto zu, nicht aber einen Zugangsweg in erreichbarer Entfernung.
Für Menschen ohne Auto oder digitale Routine entscheidet daher die Standortpolitik der Institute darüber, wie aufwendig ein Kontozugang tatsächlich ist.
Für die Aufsicht ist der Bus zunächst unauffällig: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beurteilt mobile Zweigstellen wie stationäre Standorte, maßgeblich sind Anforderungen an Sicherheit, Beratungsdokumentation und Geldwäscheprävention.
Ähnlich wie bei Handwerksbetrieben, die ihre Nachfolge zunehmend an Investoren statt an die Familie übergeben, verschiebt sich damit auch im Bankgeschäft die Frage, wer Präsenz in der Fläche künftig trägt.
Aufwendiger als die Regulierung ist die Logistik – Bargeldtransport, Ausfallzeiten und Wartung gelten als der eigentliche Kostentreiber der Pilotphase.



