Viele Fußballkreise in Deutschland können an den Herbstwochenenden 2026 nicht mehr jedes Kreisligaspiel mit einem offiziellen Schiedsrichter besetzen.
Es gibt zu wenig Nachwuchs, und viele Unparteiische hören nach Anfeindungen auf dem Platz auf.
Die Kreisschiedsrichterausschüsse der Landesverbände im Deutschen Fußball-Bund (DFB) probieren deshalb neue Wege aus.
Neulinge leiten ihre ersten Spiele im Tandem mit erfahrenen Kollegen, und die Sportgerichte bestrafen Beleidigungen gegen Unparteiische härter.
Im Spielbetrieb heißt das: Die Einteiler besetzen zuerst die höheren Spielklassen.
Für untere Kreisligen, Reservemannschaften und Teile des Jugendfußballs bleibt oft niemand übrig.
Die Spielordnungen erlauben es dann, dass ein Vereinsvertreter oder eine andere anwesende Person das Spiel leitet.
Solche Aushilfen haben aber keine Ausbildung.
Ihre Entscheidungen werden auf dem Platz oft weniger akzeptiert, und nach dem Spiel landen mehr strittige Szenen vor den Sportgerichten.
Warum fehlen Schiedsrichter?
Vertreter der Verbände nennen vor allem zwei Gründe.
Erstens hören viele Schiedsrichter schon in den ersten Jahren wieder auf, oft nach wenigen Spielen.
Zweitens kommen nicht genug neue Anwärter nach, um die Lücken zu füllen.
Als Gründe für das Aufhören nennen Betroffene immer wieder Beleidigungen durch Spieler, Trainer und Zuschauer.
Im Jugendbereich kommen Beschimpfungen durch Eltern hinzu.
Außerdem kosten die Einsätze viel Zeit, an Wochenenden, die viele lieber anders verbringen.
Die meisten Landesverbände schreiben ihren Vereinen vor, wie viele Schiedsrichter sie stellen müssen.
Wer dieses Soll verfehlt, muss mit Geldstrafen und teils auch mit sportlichen Sanktionen rechnen.
Das Grundproblem lösen diese Vorgaben allerdings nicht.
Wie funktionieren Schiedsrichter-Tandems?
Im Tandem-Modell leiten neue Schiedsrichter ihre ersten Spiele nicht allein.
Ein erfahrener Kollege begleitet sie als Pate.
Je nach Kreis steht er mit auf dem Platz, übernimmt eine Seitenlinie oder beobachtet das Spiel von außen.
Nach dem Abpfiff besprechen beide die Partie.
Die Idee dahinter: Neulinge sollen die ersten, besonders konfliktreichen Einsätze nicht allein durchstehen müssen.
Der Pate soll ihnen fachlich helfen und sie bei Streit auch schützen.
Einige Kreise ergänzen das Modell um feste Ansprechpartner für junge Schiedsrichter.
Andere setzen auf flexiblere Lehrgänge, damit Interessierte schneller ihren ersten Einsatz bekommen.
Das Modell hat einen Haken: Es bindet genau die erfahrenen Schiedsrichter, die an den Wochenenden ohnehin fehlen.
Die Kreise nehmen deshalb in Kauf, dass kurzfristig noch weniger Spiele besetzt werden.
Sie hoffen im Gegenzug, dass mehr Neulinge dabeibleiben.
Welche Strafen drohen bei Beleidigungen?
Die zweite Maßnahme betrifft die Sportgerichtsbarkeit.
Die Kreis- und Verbandssportgerichte nutzen bei Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffen gegen Schiedsrichter ihren Strafrahmen stärker aus.
Mögliche Folgen sind längere Sperren für Spieler und Funktionäre, Geldstrafen für Vereine und in schweren Fällen Punktabzüge.
Heimvereine müssen einen funktionierenden Ordnungsdienst stellen.
Wenn Zuschauer einen Unparteiischen bedrängen, kann das auch für den Verein Folgen haben.
Die Schiedsrichter wiederum sollen Vorfälle konsequent im Spielbericht festhalten.
Beobachter aus dem Amateurfußball halten Strafen allein aber für zu wenig.
Aus ihrer Sicht entscheidet vor allem, wie die Vereine selbst mit Unparteiischen umgehen.
Wie gut Tandems und härtere Strafen wirken, wird sich wohl erst nach der Hinrunde zeigen.
Maßstab ist dann, wie viele Neulinge dabeigeblieben sind und wie viele Spiele ohne offiziellen Schiedsrichter stattfinden mussten.



