Zahlreiche Spargelbetriebe in Niedersachsen und Brandenburg beenden ihre Ernte in diesem Frühjahr vorzeitig: Statt wie üblich bis zum traditionellen Stichtag Johanni am 24.
Juni durchzustechen, brechen sie ihre Felder bereits Anfang Juni um, weil gestiegene Erntelöhne und eine schwache Nachfrage das Durchhalten bis Saisonende unrentabel machen.
Betroffen sind nach Angaben von Branchenbeobachtern vor allem kleinere und mittlere Höfe in den klassischen Anbauregionen rund um Nienburg, Burgdorf und im brandenburgischen Beelitz.

Warum lohnt sich das Durchstechen nicht mehr?

Der Anbau von Bleichspargel ist besonders arbeitsintensiv, weil jede Stange von Hand gestochen wird.
Der zum 1.
Januar 2025 gestiegene gesetzliche Mindestlohn schlägt deshalb in der Spargelernte stärker durch als in fast jeder anderen landwirtschaftlichen Kultur.
Hinzu kommen höhere Kosten für Unterkünfte und Anreise der überwiegend aus Osteuropa stammenden Saisonkräfte.
Gegen Ende der Saison sinkt zugleich der Ertrag pro Stechgang, während die Lohnkosten je gestochenem Kilogramm steigen.
Für viele Betriebe liegt der Verkaufspreis am Hof dann unter den reinen Erntekosten.

Marktteilnehmer berichten, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher in diesem Jahr zurückhaltender einkaufen.
Die anhaltend hohen Lebensmittelpreise und ein insgesamt vorsichtiges Konsumklima führen dazu, dass Spargel als vergleichsweise teures Saisonprodukt früher aus den Einkaufskörben verschwindet.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) weist Spargel in seiner Erzeugungsstatistik seit Jahren als eine der flächenmäßig bedeutendsten Freilandgemüsekulturen Deutschlands aus; rückläufige Anbauflächen deuten bereits seit mehreren Jahren auf einen Strukturwandel hin.

Was bedeutet das vorzeitige Umbrechen?

Wer die Felder früher umbricht, kappt die laufenden Erntekosten, verzichtet aber auf die Erlöse der letzten zwei bis drei Wochen, in denen traditionell noch erhebliche Mengen anfallen.
Der Boden wird eingeebnet, die Spargelpflanze kann anschließend ungestört Kraft für die nächste Saison sammeln.
Agronomisch ist ein früheres Ende sogar schonend für die mehrjährigen Anlagen, weil die Pflanzen länger Photosynthese betreiben können.
Wirtschaftlich bleibt es jedoch eine Notentscheidung: Die hohen Fixkosten für Folien, Pflanzung und Flächenpacht lassen sich nur über mehrere Erntejahre amortisieren.

Einzelne Höfe ziehen Konsequenzen über die laufende Saison hinaus und kündigen an, Anbauflächen dauerhaft zu reduzieren oder auf andere Kulturen umzustellen.
Direktvermarkter mit eigenem Hofladen und Stammkundschaft kommen tendenziell besser durch die Saison als Betriebe, die stark vom Verkauf an den Lebensmitteleinzelhandel abhängen, wo der Preisdruck am größten ist.

Wie reagiert die Branche?

Verbände der Land- und Gartenbauwirtschaft verweisen seit Längerem darauf, dass arbeitsintensive Sonderkulturen unter den gestiegenen Lohnkosten besonders leiden, und fordern Entlastungen bei den Lohnnebenkosten für Saisonarbeit.
Ob der frühe Saisonabbruch in diesem Jahr ein einmaliges Phänomen bleibt oder sich verstetigt, hängt nach Einschätzung von Branchenbeobachtern maßgeblich davon ab, wie sich Erntelöhne und Verbrauchernachfrage in den kommenden Jahren entwickeln.
Für die laufende Saison gilt: Wer noch deutschen Spargel kaufen möchte, sollte sich auf ein früheres Ende einstellen.

Quellen