In zahlreichen deutschen Kommunen werden Straßenlaternen in den späten Nachtstunden abgeschaltet oder gedimmt, um Energie und Kosten zu sparen – seit dem vergangenen Winter weiten immer mehr Städte und Gemeinden diese Praxis aus.
Während Kämmerer auf sinkende Stromrechnungen verweisen und Astronomieverbände die geringere Lichtverschmutzung loben, beklagen Anwohnerinnen und Anwohner ein wachsendes Unsicherheitsgefühl in dunklen Straßen und Parks.
Der Konflikt verläuft quer durch Stadträte, Bürgerinitiativen und Fachverbände und ist in vielen Quartieren zum kommunalpolitischen Dauerthema geworden.
Warum schalten Kommunen das Licht ab?
Auslöser ist vor allem der Kostendruck auf die öffentlichen Haushalte.
Die Straßenbeleuchtung zählt zu den größten Einzelposten beim kommunalen Stromverbrauch, weshalb viele Verwaltungen in einem festgelegten Nachtfenster – häufig zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden – jede zweite Laterne ausschalten, die Helligkeit reduzieren oder auf bewegungsabhängige Steuerung umstellen.
Der Umstieg auf LED-Technik senkt den Verbrauch zusätzlich, gilt vielen Kommunen aber als nicht ausreichend, solange die Energiepreise hoch bleiben.
Hinzu kommen Vorgaben zum Klima- und Artenschutz.
Künstliches Licht stört nachtaktive Insekten und Vögel, weshalb das geltende Bundesnaturschutzgesetz seit einigen Jahren strengere Regeln für Außenbeleuchtung vorsieht.
Kommunen, die abschalten, können sich so zugleich auf Spar- und Umweltgründe berufen.
Branchenbeobachter verweisen darauf, dass moderne Steuerungstechnik eine bedarfsgerechte Beleuchtung ermöglicht, deren Anschaffung jedoch zunächst investiert werden muss.
Was sagen Anwohner und Sicherheitsexperten?
In vielen Vierteln formiert sich Widerstand.
Anwohnerinnen und Anwohner berichten in Bürgerversammlungen von einem mulmigen Gefühl auf dem Heimweg, vor allem an Haltestellen, Unterführungen und in Grünanlagen. Sozialverbände weisen darauf hin, dass insbesondere ältere Menschen, Frauen und Menschen mit eingeschränkter Sehkraft dunkle Wege meiden und dadurch in ihrer Mobilität eingeschränkt werden.
Ob die Abschaltungen tatsächlich zu mehr Kriminalität führen, ist umstritten.
Kriminologische Untersuchungen zeigen kein einheitliches Bild: Mancherorts steigt die Angst vor Straftaten stärker als die tatsächliche Gefährdung.
Sicherheitsexperten betonen, dass das subjektive Sicherheitsgefühl unabhängig von der realen Lage ernst genommen werden müsse, weil es das Verhalten im öffentlichen Raum prägt.
Viele Kommunen versuchen deshalb, zentrale Wege, Bahnhofsumfelder und Angsträume von Abschaltungen auszunehmen.
Welche Rolle spielt der Sternenhimmel?
Rückendeckung erhalten die Kommunen von Astronominnen und Astronomen sowie von Initiativen gegen Lichtverschmutzung.
Sie verweisen darauf, dass der nächtliche Himmel über deutschen Ballungsräumen seit Jahrzehnten zunehmend aufgehellt ist und Sterne in Innenstädten kaum noch zu erkennen sind.
Weniger Streulicht verbessere nicht nur die Beobachtungsbedingungen, sondern komme auch dem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus von Mensch und Tier zugute.
Fachleute plädieren für einen Mittelweg: warmweißes, nach unten gerichtetes Licht, das nur dort leuchtet, wo es gebraucht wird, kombiniert mit zeitlich begrenzten Abschaltungen.
Ein vollständiger Verzicht auf Beleuchtung sei weder gewünscht noch durchsetzbar.
Wie viel Dunkelheit eine Stadt verträgt, dürfte daher in vielen Kommunalparlamenten auch in den kommenden Monaten umstritten bleiben.



