Der April 2026 ist nach Auswertung des Deutschen Wetterdienstes überdurchschnittlich trocken ausgefallen.
Vor allem im Osten und in Teilen Norddeutschlands lagen die Niederschläge spürbar unter dem langjährigen Mittel.
Für die Landwirtschaft ist das ein Problem, denn die Bestände entwickeln sich zu einem Zeitpunkt, an dem der Wasserbedarf steigt.
Die Bauernverbände ziehen eine vorsichtige, in Teilen besorgte Frühjahrsbilanz.
Die Ausgangslage war ohnehin angespannt.
Der Winter brachte zwar Niederschläge, doch die obere Bodenschicht trocknete rasch wieder hoch.
Hinzu kamen wiederholte Phasen mit kräftigem Wind, die das Verdunsten beschleunigten.
Wintergetreide steht jetzt im Schossen, einer Phase, in der eine gleichmäßige Wasserversorgung über die Erträge entscheidet.
In den am stärksten betroffenen Regionen sind die Bestände nach Angaben aus den Landwirtschaftskammern bereits sichtbar belastet.
Wo die Trockenheit am deutlichsten greift
Besonders betroffen sind Regionen mit leichten Sandböden, etwa Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Teile Sachsen-Anhalts.
Hier reagiert die Pflanze schneller auf ausbleibende Niederschläge.
Auch der Norden Bayerns weist anhaltende Defizite auf.
Im Westen und Süden ist die Lage weniger zugespitzt, lokale Niederschläge konnten Spitzen ausgleichen.
Die Bilanz fällt regional somit sehr unterschiedlich aus.
Auch jenseits der Felder zeigt sich die Trockenheit.
Forstämter berichten von einer angespannten Lage im Wald, insbesondere bei Fichten und jungen Mischbeständen.
In einigen Bundesländern wurde die Waldbrandstufe schon im April hochgesetzt.
Wasserwirtschaftsverbände beobachten zudem die Pegel kleinerer Flüsse und Talsperren, die bereits erste Defizite gegenüber dem Vorjahr aufweisen.
Bauernverband fordert verlässliche Förderung
Der Deutsche Bauernverband mahnt eine konsequentere Förderung wasserschonender Anbauverfahren an.
Dazu zählen Mulchsaat, Zwischenfrüchte und der Aufbau humusreicher Böden, die mehr Wasser speichern können.
Solche Verfahren sind etabliert, aber teils mit Investitionen verbunden.
Vertreter des Berufsstandes verweisen darauf, dass die Förderkulisse mehrfach umgebaut wurde, was Planungssicherheit erschwert.
Diskutiert wird auch eine bessere Versicherbarkeit von Dürreschäden.
Bislang ist Trockenheit, anders als Hagel oder Sturm, in Deutschland nur eingeschränkt versicherbar.
Modelle aus Frankreich und Österreich zeigen, dass staatlich gestützte Mehrgefahrenversicherungen funktionieren können, wenn das Risiko breit gestreut wird.
Der Bund hat in der Vergangenheit Pilotprojekte unterstützt, eine flächendeckende Lösung steht aber aus.
Blick nach vorn
Wie sich die Saison weiterentwickelt, hängt nun stark vom Mai und Juni ab.
Geht in den kommenden Wochen ergiebiger Niederschlag nieder, lassen sich Defizite teilweise ausgleichen.
Bleibt der April-Trend bestehen, drohen unterdurchschnittliche Erntemengen vor allem bei Winterweizen und Wintergerste.
Marktbeobachter sehen erste Auswirkungen bereits in den Notierungen an den Getreidebörsen.
Verbraucher dürften die Folgen, wenn überhaupt, erst zeitverzögert in den Regalen bemerken.
Die Bauernverbände kündigten an, im Juni eine erste Zwischenbilanz zur Erntesaison vorzulegen.
Bis dahin bleibt der Blick zum Himmel der entscheidende Indikator.



