Die Deutsche Bahn (DB) hat ihre saisonale Nachtzug-Verbindung von München über den Brenner nach Süditalien zum Sommerfahrplan 2026 dauerhaft eingestellt.
Betroffen sind insbesondere Pfingstreisende, die in den kommenden Tagen Ziele wie Rom, Neapel oder Bari ansteuern wollten und sich nun nach Alternativen umsehen müssen.
Als Begründung verweist die DB auf strukturell unrentable Auslastung außerhalb der Hauptsaison und auf den Rückzug aus dem eigenen Nachtreiseverkehr, den der bundeseigene Konzern bereits vor Jahren angekündigt hatte.
Welche Alternativen ÖBB und Trenitalia anbieten
Den Großteil des grenzüberschreitenden Nachtreiseverkehrs übernimmt die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) mit ihrem Nightjet-Netz.
Über München, Salzburg und Villach erreichen Reisende Rom, Mailand, Venedig und La Spezia.
Für die Strecke nach Süditalien bleibt jedoch in der Regel ein Umstieg notwendig: In Villach Hauptbahnhof werden die Nightjet-Garnituren geteilt, ein Teil läuft nach Rom, ein Teil nach Mailand und Venedig weiter.
Wer tiefer in den Süden möchte, muss ab Rom oder Mailand auf das Fernverkehrsnetz von Trenitalia umsteigen, etwa auf den Frecciarossa nach Neapel, Salerno oder Bari.
Ergänzend bietet die Schweizer Privatbahn-Tochter European Sleeper auf einzelnen Relationen Verbindungen in Richtung Norditalien an, allerdings ohne durchgängige Anbindung an den Mezzogiorno.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass das Sitzplatzangebot im Nightjet-Netz an Brückentagen und rund um die Pfingstferien regelmäßig erschöpft ist; Liege- und Schlafwagenkontingente waren bereits Wochen vor den Feiertagen weitgehend ausgebucht.
Warum Villach zum Nadelöhr wird
Der Knotenpunkt Villach Hauptbahnhof entwickelt sich mit der neuen Fahrplanlage zum zentralen Umsteigepunkt für Reisende aus Deutschland.
Hier laufen Nachtzüge aus München, Wien und perspektivisch Stuttgart zusammen, ehe sie nach Italien weitergeführt werden.
Die Bahnhofsinfrastruktur ist auf dieses Volumen nur eingeschränkt ausgelegt: Gepäckaufzüge, Wartebereiche und barrierefreie Übergänge zwischen den Bahnsteigen stoßen in den Morgenstunden, wenn mehrere Garnituren parallel rangiert werden, an Kapazitätsgrenzen.
Hinzu kommen Anschlussprobleme im regionalen Verkehr.
Der Kärntner ÖPNV ist in den frühen Morgenstunden dünn getaktet; wer einen verpassten Anschluss nach Italien überbrücken muss, findet zwischen 4 und 6 Uhr nur vereinzelte Busverbindungen ins Stadtgebiet oder in die Umlandgemeinden.
Bei Verspätungen der Zubringerzüge aus München – etwa wegen Bauarbeiten auf der Strecke über Kufstein – verlieren Reisende ihren Anschluss nach Rom regelmäßig um wenige Minuten.
Folgen für Reisende und Anbieter
Für Pauschalreiseveranstalter, die klimafreundliche Bahnpakete nach Italien vermarkten, bedeutet der Wegfall der DB-Verbindung eine spürbare Lücke im Angebot.
Sie verweisen Kundinnen und Kunden zunehmend auf Kombi-Tickets aus ÖBB-Nightjet und Trenitalia-Anschluss, wobei die Fahrgastrechte bei verpassten Anschlüssen zwischen zwei Bahnunternehmen weiterhin uneinheitlich geregelt sind.
Marktteilnehmer fordern, das europäische Buchungssystem so weiterzuentwickeln, dass durchgehende Tickets mit garantierten Anschlüssen über Villach hinweg auch außerhalb von Spezialaktionen verfügbar sind.
Die DB betont, dass Reisende auf der Brennerachse weiterhin tagsüber per EuroCity nach Verona, Bologna und Venedig fahren können.
Für den Anschluss nach Süditalien bleibt jedoch der Umstieg in Italien unverzichtbar – ein Umstand, der das Reisen ohne Flugzeug auf Strecken jenseits von Rom für viele zur logistischen Geduldsprobe macht.



