Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben am Mittwoch kurzfristig mehrere Nightjet-Verbindungen zwischen München und Rom über das Pfingstwochenende gestrichen.
Grund ist nach Angaben des Unternehmens ein akuter Personalmangel bei der italienischen Staatsbahn Ferrovie dello Stato Italiane (FS), deren Lokführer den südlichen Streckenabschnitt ab dem Brenner bedienen.
Betroffen sind die Züge NJ 295 und NJ 40235 in beide Richtungen zwischen dem 22. und 25.
Mai 2026.
Reisende berichten von gestrandeten Passagieren in Verona Porta Nuova und am Bahnhof Brenner/Brennero, wo Anschlusszüge ohne Ersatz ausfielen.
Was ist passiert?
Die Streichungen wurden den Fahrgästen teils erst wenige Stunden vor Abfahrt per E-Mail mitgeteilt.
Die ÖBB verweist darauf, dass der italienische Streckenabschnitt operativ von FS-Personal gefahren werden muss; eine kurzfristige Übernahme durch ÖBB-Lokführer sei aus tarif- und genehmigungsrechtlichen Gründen nicht möglich.
In München Hauptbahnhof bildeten sich am Mittwochabend lange Schlangen vor den Servicecountern, nachdem mehrere Hundert Reisende ihre Buchungen nicht mehr antreten konnten.
Die Deutsche Bahn (DB) als Vertriebspartner für Tickets verwies betroffene Kunden auf Tagesverbindungen über den Brenner mit Umstieg in Verona oder Bologna – Schlafwagenplätze stehen auf diesen Routen nicht zur Verfügung.
Besonders kritisch ist die Lage am Grenzbahnhof Brennero, wo Reisende, die Anschlussverbindungen Richtung Süden geplant hatten, ohne Hotelkontingent verblieben.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die Hotelkapazitäten im Wipptal an Pfingsten regelmäßig ausgebucht sind.
Die ÖBB kündigte an, Ersatzunterkünfte zu organisieren, wo dies kurzfristig möglich sei, sowie eine vollständige Erstattung der Ticketkosten plus Entschädigung nach EU-Fahrgastrechteverordnung.
Warum trifft der Personalmangel ausgerechnet jetzt?
Bei der italienischen FS-Tochter Trenitalia herrscht seit Monaten ein Engpass an qualifizierten Lokführern für den grenzüberschreitenden Verkehr.
Die Ausbildung für die Brennerstrecke umfasst sowohl Sprach- als auch Streckenkundenachweise und dauert in der Regel mehrere Monate.
Hinzu kommt, dass an verlängerten Wochenenden traditionell hohe Urlaubsstände das verfügbare Personal weiter verknappen.
Italienische Gewerkschaften hatten zudem für den Pfingstsamstag zu punktuellen Arbeitsniederlegungen aufgerufen, was die Personaldecke zusätzlich belastete.
Für die ÖBB ist der Vorfall eine kommunikative Belastungsprobe: Das Unternehmen hatte den Nightjet-Verkehr nach Italien in den vergangenen Jahren als Vorzeigeprodukt seiner Schlafwagen-Renaissance vermarktet.
Erst im Dezember 2024 waren neue Nightjet-Garnituren mit Mini-Cabins auf der Strecke München–Rom eingeführt worden.
Marktteilnehmer in der Reisebranche werten die kurzfristigen Ausfälle als Rückschlag für die Wahrnehmung des Nachtzugverkehrs als zuverlässige Alternative zum Flugverkehr.
Welche Rechte haben Reisende?
Fahrgäste mit einem gültigen Nightjet-Ticket haben Anspruch auf vollständige Rückerstattung des Fahrpreises oder auf eine kostenfreie Umbuchung.
Bei Ankunftsverspätungen ab 60 Minuten greift die EU-Fahrgastrechteverordnung mit Entschädigungssätzen von 25 Prozent des Ticketpreises, ab 120 Minuten 50 Prozent.
Notwendige Übernachtungskosten muss das Eisenbahnunternehmen tragen, sofern eine Weiterreise am selben Tag nicht zumutbar möglich ist.
Die ÖBB hat eine eigene Hotline und ein Online-Erstattungsformular eingerichtet.
Reisende, die ihre Tickets über die Deutsche Bahn oder Drittanbieter gebucht haben, müssen sich an die jeweilige Vertriebsstelle wenden.



