Internetbasiertes Fernsehen verdrängt in immer mehr deutschen Haushalten den klassischen Kabelanschluss.
Branchenbeobachter sprechen mit Blick auf das Frühjahr 2026 von einem Wendepunkt für das lineare Fernsehen: Internet Protocol Television (IPTV) sowie reine Streaming-Plattformen wie Netflix, Amazon Prime Video, Disney+ und die Mediatheken von ARD und ZDF wachsen weiter, während Kabelnetzbetreiber wie Vodafone Deutschland und Tele Columbus (PŸUR) zunehmend über sinkende Abonnentenzahlen im TV-Geschäft berichten.
Auslöser des Umbruchs ist auch eine regulatorische Weichenstellung: Seit dem Wegfall des sogenannten Nebenkostenprivilegs durch die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) müssen Mieterinnen und Mieter Kabelanschlüsse selbst beauftragen und bezahlen.
Viele Haushalte nutzen die Gelegenheit, ihren Anschluss zu kündigen und auf internetbasierte Alternativen umzusteigen.
Was unterscheidet IPTV vom klassischen Kabel?
Während das klassische Kabelfernsehen Signale über ein eigenes Koaxialnetz verteilt, wird IPTV über die normale Internetleitung ausgeliefert.
Anbieter wie die Deutsche Telekom mit MagentaTV, 1&1, Vodafone GigaTV via Internet sowie Waipu.tv und Zattoo nutzen den Breitbandanschluss, um lineare Sender, Mediatheken und On-Demand-Inhalte zu bündeln.
Für die Haushalte bedeutet das in der Regel mehr Flexibilität: Geräte lassen sich frei wählen, Aufnahmen wandern in die Cloud, mehrere Bildschirme werden parallel bespielt.
Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) und die Landesmedienanstalten beobachten seit einigen Jahren eine stetige Verschiebung zugunsten internetbasierter Verbreitungswege.
Reine Streaming-Angebote, die ohne klassische TV-Sender auskommen, gewinnen vor allem bei jüngeren Zielgruppen weiter an Reichweite.
Klassisches lineares Fernsehen bleibt in älteren Haushalten dominant, verliert aber auch dort an Bindungskraft.
Warum geraten Kabelnetzbetreiber unter Druck?
Für Kabelnetzbetreiber bedeutet die Entwicklung einen doppelten Druck: Auf der Erlösseite brechen klassische TV-Abonnements weg, gleichzeitig steigen die Investitionen in Glasfaser- und DOCSIS-Modernisierung, um im Breitbandgeschäft konkurrenzfähig zu bleiben.
Vodafone Deutschland hat in den vergangenen Quartalsberichten wiederholt rückläufige TV-Kundenzahlen ausgewiesen und konzentriert sich strategisch stärker auf Internetzugang und Mobilfunk.
Auch Tele Columbus und regionale Anbieter berichten von einer Erosion des klassischen Kabelgeschäfts.
Marktteilnehmer rechnen damit, dass das Kabelfernsehen mittelfristig vom Hauptprodukt zum Zusatzangebot innerhalb gebündelter Breitbandtarife wird.
Der eigentliche Wettbewerb verlagert sich auf die Frage, welcher Anbieter die schnellste und stabilste Internetverbindung in die Wohnung bringt — die Inhalte werden zunehmend von Streaming-Plattformen, IPTV-Diensten und öffentlich-rechtlichen Mediatheken bezogen.
Welche Folgen ergeben sich für Verbraucher und Markt?
Für Haushalte bedeutet der Wechsel zu IPTV und Streaming oft niedrigere Einstiegskosten und mehr Auswahl, zugleich aber eine größere Abhängigkeit von einer leistungsfähigen Internetverbindung.
Wer in ländlichen Regionen ohne stabilen Breitbandanschluss lebt, bleibt vorerst auf Satelliten- oder Kabelempfang angewiesen.
Auf Marktseite zeichnet sich eine Konsolidierung ab: Klassische Kabelbetreiber suchen Kooperationen mit Streaming-Anbietern und integrieren externe Apps direkt in ihre Set-Top-Boxen.
Werbe- und Rechtevermarkter müssen sich auf eine fragmentiertere Nutzungslandschaft einstellen, in der lineares Fernsehen, Mediatheken und Streaming nebeneinander bestehen, ohne dass eine einzelne Verbreitungsform die Dominanz früherer Jahrzehnte zurückgewinnt.



