Die Versorgungslage bei rezeptpflichtigen Standardmedikamenten verschärft sich nach Einschätzung der Apothekerverbände weiter.
Betroffen sind insbesondere Schmerzmittel auf Ibuprofen- und Paracetamolbasis sowie gängige Antibiotika, die in der ambulanten Versorgung zur Grundausstattung gehören.
Ursache ist nach Darstellung der Branche ein strukturelles Missverhältnis zwischen den gesetzlich festgelegten Erstattungsbeträgen und den tatsächlichen Produktionskosten.
Mehrere Hersteller haben bereits Produktlinien eingestellt oder die Belieferung des deutschen Marktes spürbar zurückgefahren.

Festbeträge unter Druck der Produktionskosten

Das deutsche Festbetragssystem deckelt die Erstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen auf einem Niveau, das ursprünglich den Wettbewerb zwischen Generikaherstellern ankurbeln sollte.
Steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie höhere Anforderungen an Qualitätssicherung und Lieferkettenkontrolle haben die Margen jedoch nach Branchenangaben so weit erodiert, dass die Produktion einzelner Wirkstoffe für den deutschen Markt nicht mehr kostendeckend möglich sei.
Die Folge: Hersteller priorisieren Märkte mit höheren Erstattungspreisen, während deutsche Apotheken zunehmend auf nicht lieferbare Bestellungen stoßen.

Hinzu kommt eine starke Konzentration der Wirkstoffproduktion auf wenige Standorte in Asien.
Fällt dort eine Produktionsstätte aus oder kommt es zu Exportbeschränkungen, schlägt das unmittelbar auf die europäischen Lieferketten durch.
Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass die fehlende Redundanz das System insgesamt anfällig macht — selbst bei vergleichsweise alltäglichen Wirkstoffen.

Folgen für Apotheken und Patienten

In den Apotheken vor Ort verlängern sich Beschaffungszeiten, Personal ist verstärkt mit Recherche nach Alternativpräparaten und Rücksprachen mit verordnenden Ärzten gebunden.
Wo ein verordnetes Präparat nicht verfügbar ist, müssen Apothekerinnen und Apotheker auf gleichwertige Wirkstoffe oder andere Darreichungsformen ausweichen.
Das Austauschverfahren ist gesetzlich geregelt, kostet im Alltag aber Zeit und kann bei chronisch Kranken zu Verunsicherung führen.

Besonders kritisch wird die Lage bei Kinderarzneimitteln gesehen.
Antibiotika-Säfte und Fiebersenker für Kleinkinder sind in der Vergangenheit wiederholt knapp geworden; Apothekerverbände befürchten, dass sich entsprechende Engpässe in der nächsten Infektsaison wiederholen könnten.
Auch in Krankenhäusern wirken sich die Engpässe aus, da Stationsapotheken auf den gleichen Großhandel zurückgreifen müssen.

Politische Diskussion über Gegenmaßnahmen

Auf politischer Ebene wird seit längerem über eine Reform des Festbetragssystems diskutiert.
Vorschläge reichen von Aufschlägen für in Europa produzierte Wirkstoffe über verbindliche Bevorratungspflichten bis hin zu einer Lockerung des Rabattvertragssystems, das die Marktanteile auf wenige Anbieter konzentriert.
Mit dem Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungsgesetz wurden bereits einzelne Stellschrauben angepasst, etwa für Kinderarzneimittel.
Apothekerverbände halten die Maßnahmen jedoch für unzureichend, solange die Erstattungsbeträge bei den am häufigsten verordneten Wirkstoffen weiter unter Druck stehen.

Gleichzeitig warnen Krankenkassen vor zusätzlichen Beitragsbelastungen, falls Erstattungsobergrenzen pauschal angehoben werden.
In der Debatte zeichnet sich ab, dass eine tragfähige Lösung sowohl industriepolitische Anreize für die Rückverlagerung von Produktion als auch eine differenziertere Preisregulierung erfordern dürfte.
Marktteilnehmer rechnen damit, dass die Versorgungslage bis zu einer strukturellen Reform angespannt bleibt — mit dem Risiko, dass einzelne Wirkstoffgruppen vorübergehend nur eingeschränkt verfügbar sind.

Quellen