Wenige Wochen nach dem Ende der Sandplatzsaison stellen die deutschen Tennisprofis derzeit auf den Rasenbelag um und bereiten sich auf das Wimbledon-Turnier vor, das traditionell Ende Juni im All England Lawn Tennis and Croquet Club in London beginnt.
Die Rasensaison gilt als kürzeste und zugleich eine der anspruchsvollsten Phasen des gesamten Tenniskalenders: Zwischen den French Open auf Sand und dem Klassiker in London liegen nur rund 3 Wochen, in denen sich die Spielerinnen und Spieler an einen grundlegend anderen Untergrund gewöhnen müssen.
Für den Deutschen Tennis Bund (DTB) und die deutschen Profis ist diese Phase deshalb mehr als eine Zwischenstation.
Sie entscheidet häufig darüber, mit welcher Form und welchem Selbstvertrauen die Akteure in das prestigeträchtigste der vier Grand-Slam-Turniere gehen.
Warum die Umstellung von Sand auf Rasen schwerfällt
Sand und Rasen verlangen nahezu gegensätzliche Spielweisen.
Auf dem langsamen Sandplatz springt der Ball hoch ab, die Ballwechsel sind lang, und die Profis gleiten in die Schläge hinein.
Auf Rasen ist der Belag schnell, der Absprung flach und mitunter unregelmäßig; Punkte werden kürzer entschieden, Aufschlag und der erste Ball nach dem Return gewinnen an Bedeutung.
Auch die Bewegung ändert sich: Statt des kontrollierten Gleitens ist auf Rasen ein stabiler, kurzer Schritt gefragt.
Branchenbeobachter verweisen zudem auf das erhöhte Verletzungsrisiko in den ersten Tagen, wenn der Körper sich noch nicht an den rutschigeren Untergrund gewöhnt hat.
Die kurze Vorbereitungszeit von wenigen Wochen lässt kaum Spielraum für Experimente — Matchpraxis auf Rasen ist daher entscheidend.
Was die deutschen Rasenturniere leisten
Anders als in der Sand- oder Hartplatzsaison ist das Angebot an Rasenturnieren weltweit begrenzt.
Deutschland nimmt dabei eine vergleichsweise große Rolle ein: Bei den Herren bieten die Turniere in Stuttgart und im westfälischen Halle Matchpraxis und Weltranglistenpunkte, Halle zählt mit der Kategorie ATP 500 zu den höher dotierten Vorbereitungsturnieren.
Bei den Damen stehen mit Berlin und Bad Homburg zwei etablierte Stationen im Kalender.
Für den deutschen Tennisstandort sind diese Turniere von doppeltem Wert: Sie geben den heimischen Profis Wettkampfpraxis vor eigenem Publikum und stärken zugleich die wirtschaftliche und sportliche Sichtbarkeit des Rasentennis in Deutschland.
Aus Sicht des Tennisverbands bildet die Rasensaison damit ein eigenes, kurzes Schaufenster vor dem Saisonhöhepunkt in London.
Welche Erwartungen vor London realistisch sind
Wimbledon gilt als ältestes und traditionsreichstes der vier Grand-Slam-Turniere und wird als einziges weiterhin auf Rasen ausgetragen.
Gerade dieser Belag sorgt nach Einschätzung von Beobachtern dafür, dass das Turnier schwerer kalkulierbar ist als andere Grand Slams: Das schnelle Spiel kann Außenseitern mit starkem Aufschlag entgegenkommen und etablierte Favoriten früh unter Druck setzen.
Konkrete Prognosen für die deutschen Profis lassen sich seriös erst nach Abschluss der Vorbereitungsturniere stellen, wenn Form und körperliche Verfassung erkennbar sind.
Der DTB und Branchenbeobachter betonen, dass die Ergebnisse der Rasenwochen ein wichtiger Indikator sind — eine Garantie für das Abschneiden beim Klassiker in London sind sie jedoch nicht.



