In der Pilzsaison im Herbst rufen bei den Giftinformationszentren in Deutschland wieder deutlich mehr Menschen an.
Viele haben nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden oder fürchten, eine giftige Art gesammelt zu haben.
Fachleute nennen vor allem zwei Ursachen: Verwechslungen mit essbaren Doppelgängern und ein wachsendes Vertrauen in Smartphone-Apps, die Pilze per Foto bestimmen sollen.

Zuständig sind regionale Einrichtungen wie der Giftnotruf der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das Giftinformationszentrum-Nord an der Universitätsmedizin Göttingen oder das Giftinformationszentrum der Universitätsmedizin Mainz.
Sie sind rund um die Uhr erreichbar und beraten Laien ebenso wie das Personal in Kliniken.

Warum häufen sich die Fälle im Herbst?

Die meisten Großpilze bilden ihre Fruchtkörper zwischen August und November.
Besonders viele wachsen nach ergiebigem Regen bei milden Temperaturen.
Dann sind auch mehr Menschen in Wäldern und auf Wiesen unterwegs, und die Zahl der Anfragen steigt.
Ein großer Teil der Fälle betrifft Magen-Darm-Beschwerden.
Diese lösen nicht nur Giftpilze aus, sondern auch Speisepilze, die verdorben, falsch gelagert oder nicht lange genug gegart sind.
Hinzu kommen Kleinkinder, die im Garten oder auf dem Spielplatz Pilzstücke in den Mund nehmen.

Am gefährlichsten ist der Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides).
Sein Gift, die Amatoxine, schädigt die Leber.
Erste Symptome treten meist erst 6 bis 24 Stunden nach der Mahlzeit auf.
Auf heftiges Erbrechen und Durchfall folgt oft eine trügerische Besserung, bevor die Leber versagt.
Verwechselt wird der Pilz vor allem mit Wiesenchampignons und grünlichen Täublingen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist außerdem darauf hin, dass zugewanderte Menschen heimische Giftpilze mit Speisepilzen aus ihren Herkunftsländern verwechseln können.

Wie verlässlich sind Bestimmungs-Apps?

Bestimmungs-Apps vergleichen ein Foto mit einer Bilddatenbank und schlagen eine Art vor, oft mit einer Prozentangabe.
Viele Merkmale, die für eine sichere Bestimmung entscheidend sind, zeigt ein Foto aber nicht.
Dazu gehören die Knolle an der Stielbasis, die oft im Boden steckt, der Geruch, die Farbe des Sporenpulvers, Verfärbungen auf Druck und der Ansatz der Lamellen.
Zudem sehen Pilze derselben Art je nach Alter, Standort und Witterung sehr unterschiedlich aus.

Pilzkundige kritisieren vor allem eines: Viele Nutzer verstehen eine hohe Trefferquote als Erlaubnis, den Pilz zu essen.
Das BfR und die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGfM) raten deshalb, Apps höchstens als Einstieg zu nutzen.
Ob ein Fund essbar ist, sollte man nie allein danach beurteilen.
Auch Bestimmungsbücher ersetzen aus Sicht von Fachleuten nicht die Prüfung durch eine sachkundige Person.

Was ist im Verdachtsfall zu tun?

Vor dem Essen lohnt sich der Weg zu einer Pilzberatung.
Geprüfte Pilzsachverständige der DGfM bieten in vielen Städten und Landkreisen während der Saison Sprechstunden an, oft kostenlos.
Sammeln sollte man nur vollständige, frische Pilze.
Sie werden mitsamt Stielbasis aus dem Boden gedreht und in einem luftigen Korb transportiert, nicht in einer Plastiktüte.

Wer nach einer Pilzmahlzeit Beschwerden bekommt, sollte sofort ein Giftinformationszentrum anrufen.
Reste, Putzabfälle und Erbrochenes sollten aufbewahrt werden, damit sich die Art nachträglich bestimmen lässt.
Erbrechen sollte man nicht selbst auslösen.
Bei Bewusstseinsstörungen, Atemnot oder Kreislaufproblemen gilt der Notruf 112.
Weil gerade die gefährlichsten Vergiftungen verzögert einsetzen, sollten sich auch alle, die mitgegessen haben, ärztlich untersuchen lassen, selbst wenn sie keine Symptome haben.